NRW verbietet Langstrecken-Tiertransporte

Kälber werden auf einem LKW transportiert.

NRW verbietet Langstrecken-Tiertransporte

  • Lange Transportwege für Rinder und Kälber verboten
  • Landwirtschaftsministerin weist Kreisbehörden an
  • Grüne: Kontrollen bisher meist ohne Folgen

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hat bestimmte Langstrecken-Tiertransporte "bis auf Weiteres" verboten. Dies betrifft den Transport von Rindern in so genannte Drittstaaten und lange Transporte von "nicht abgesetzten" Kälbern. Das sind wenige Wochen alte Kälber, die noch auf Muttermilch angewiesen sind.

Umstritten sind solche Langstrecken-Tiertransporte seit Langem. Zuletzt hatte 2015 der Europäische Gerichtshof entschieden, dass tierschutzrechtliche Vorgaben der EU bis zum Bestimmungsort einzuhalten sind, auch wenn dieser in einem Nicht-EU-Land liegt. Bei Kontrollen waren aber immer wieder Verstöße festgestellt worden, etwa durch Überschreitung der zulässigen Transportdauer oder durch fehlende Tränkmöglichkeiten der Kälber.

Tiertransporte: "Artgerechte Versorgung der Tiere nicht möglich"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.09.2019 06:03 Min. Verfügbar bis 25.09.2020 WDR 5

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Als Drittstaaten gelten dabei - mit wenigen Ausnahmen, wie etwa der Schweiz - alle Länder außerhalb der EU. Als "lange Transporte" gelten Fahrten von mehr als acht Stunden ab Verladung. Die Kreisbehörden in NRW wurden nun angewiesen, solche Langstrecken-Transporte künftig nicht mehr zu genehmigen.

Grüne Kritik: Kontrollen ohne Folgen

Die Grünen im NRW-Landtag hatten zuletzt kritisiert, dass die üblichen Kontrollen der Tiertransporte meistens ohne Folgen blieben - selbst, wenn Verstöße festgestellt wurden. Bis Mai wurden in diesem Jahr 48.711 Mal Tiertransporte kontrolliert. In 289 Fällen seien "nicht transportfähige" Tiere entdeckt worden. 114 Mal sei es daraufhin bei "Belehrungen" geblieben, einmal wurde eine Ordnungsverfügung erstellt, in 78 Fällen Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet. Strafverfahren seien in keinem einzigen Fall eingeleitet worden. Diese Zahlen gehen aus der Antwort des Umweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag hervor.

Stand: 22.07.2020, 16:17

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