Landwirtschaft in NRW: nur mäßige Bilanz

Ein Traktor fährt über einen abgemähten Acker, der zwischen einem Maisfeld (l) und einem Hopfenfeld (r) liegt

Landwirtschaft in NRW: nur mäßige Bilanz

Von Christoph Ullrich

Mehr als anderthalb Jahre lang hat eine Landtags-Kommission versucht, den Zustand der NRW-Landwirtschaft zu untersuchen. Die Befunde sind - wenn es um politische Vorgaben und die Digitalisierung geht - eher ernüchternd.

"Wir sind in der Corona-Zeit leider etwas untergegangen", der FDP-Politiker Markus Diekhoff. Auf Antrag seiner Fraktion wurde im Januar die Enquetekommission "Gesundes Essen. Gesunde Umwelt. Gesunde Betriebe" eingesetzt. Diekhoff wurde Vorsitzender und hat jetzt die Ergebnisse aus mehr als 500 Sitzungsstunden und drei erstellten Gutachten vorgestellt.

Schwierige Lage, viele Herausforderungen

Wie schwierig die Lage ist und wie groß die Herausforderungen für die Betriebe in NRW sind, zeigt schon das Gutachten der Universität Kiel und ihrem agrarökologischen Institut. Das Papier schildert die Auswirkungen umweltpolitscher Vorgaben am Beispiel von fünf Landwirtschaftsbetrieben.

Zwar sagt der Mitautor des Gutachtens, Jan-Henrik Buhk, dass sich pauschale Aussagen über neue Umweltregeln und deren Einfluss auf die alltägliche Arbeit nicht treffen ließen. Aber eines wird deutlich: Düngeverordnungen oder das teilweise geltende Glyphosatverbot in Deutschland führten zu Verlusten. Je größer der Betrieb, umso größer die Rückgänge bei den Einnahmen.

Vorgaben ohne Kompensation führen zu Verlusten

Die Regeln seien erlassen worden, ohne dass man ausreichende Kompensationen eingerichtet habe, das geben Vertreter aller Parteien zu. Zwar müsse man - sagt der für die Grünen teilnehmende Landtagsabgerodnete Norwich Rüße - die Vorgaben auch "im Kontext der Umweltschäden sehen, die ebenfalls die Einnahmen der Landwirtschaft drücken", aber es sei klar, dass es trotzdem eine bessere Wertschöpfungskette für Landwirte geben müsse.

Rüße meint damit, dass der Preisdruck auf die Betriebe gesenkt werden müsse. Aktuell sinken die Preise am Markt nämlich immer weiter. Das könnten Nachhaltigkeitseffekte aber ändern - zumindest legt das ein weiteres Gutachten nahe, das im Auftrag der Kommission erstellt wurde. Das Beratungsunternehmen AFC kommt zu dem Schluss, dass durch den Wunsch der Kunden und Kundinnen nach mehr nachhaltigen Lebensmitteln auch die Erzeuger wieder stärker die Preise bestimmen könnten.

Digitalisierung in der Breite ein Problem

Allerdings betont Autor Volker Ebert in dem Zusammenhang, dass Betriebe, die sich dem verwehren und weiter wie bisher arbeiteten, tendenziell eher vom Markt verschwinden würden. Die Rahmenbedingungen sind also nicht gut: Preis- und Innovationsdruck scheinen hoch und es gibt noch mehr Baustellen.

Für die Politiker und Politikerinnen hat das Landmaschinen-Unternehmen Claas die Digitalisierung von Höfen und großen Landwirtschaftsbetrieben untersucht. Der Befund ist wenig überraschend: Gerade in ländlichen Regionen fehlt es an ausreichender Netz-Geschwindigkeit.

Und dann gibt es noch einige skurrile Situationen: Wer zum Beispiel am Rand von NRW lebt, könne das Pech haben, Ackerland in NRW, Hessen und Niedersachsen zu haben. Unterschiedliche Vorgaben und Standards würden hier zu großen Problemen führen, erklärt Claas-Projektleiter Klaus-Herbert Rolf.

Die Balance wieder stärker betrachten

Für die Politiker und Politikerinnen eine insgesamt eher ernüchternde Bestandsaufnahme. Und so sagt auch Annette Watermann-Krass (SPD), dass man "die Balance von allen landwirtschaftlichen Feldern stärker in den Blick nehmen muss." Und CDU-Mann Ralf Nolten mahnt zustimmend an, dass man die Abwägung zwischen sinnvollen Umweltmaßnahmen und Wettbewerbsfähigkeit stärker in den Blick nehmen müsse.

Ansonsten, sagt der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Blex, werde die NRW-Landwirtschaft von der Konkurrenz innerhalb der Europäischen Union abgelöst, wo die Vorgaben in vielen Bereichen weniger streng seien. Als Beispiel nannte er die Produktion von Schweinefleisch. Hier würde mehr aus Spanien importiert, als in NRW produziert.

Stand: 07.10.2021, 14:40

Weitere Themen