Kraft setzt auf Liebeserklärung an NRW

Kraft setzt auf Liebeserklärung an NRW

Von Maike von Galen

  • SPD startet in die heiße Phase des Wahlkampfs
  • Kanzlerkandidat Martin Schulz hofft auf Rückenwind aus NRW
  • Kraft wirft CDU Konzeptlosigkeit vor

Den Auftakt des SPD-Wahlkampfes machen in Essen am Sonntag (02.04.2017) nicht die Politiker, sondern die Poetry-Slamerin Ella Anschein - mit einer Liebeserklärung an Nordrhein-Westfalen: "Lasst uns allen, die schreien, in Würde zeigen, das hier ist ein Geschenk."

Einen ganz anderen Tonfall hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Vortag in Münster angeschlagen. Bei der Programmkonferenz der NRW-CDU zeichnete sie ein düsteres Bild des Bundeslandes: Es werde schlecht regiert, sei in allen wichtigen Bereichen Schlusslicht.

Kraft lächelt Kritik weg

Ein Angriff, den Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in der Essener Zeche Zollverein fast schon gönnerhaft weglächelt: "Weil sie selbst nichts Konkretes vorzuweisen haben, schimpfen sie lieber über uns", so Kraft. "Sogar die Kanzlerin haben sie dafür instrumentalisiert. Das Problem: Entweder, sie kennt sich hier nicht aus oder man hat sie mit falschen Zahlen gefüttert."

Und so beginnt Kraft, ein anderes Bild von NRW zu zeichnen: Die Arbeitslosigkeit sei auf dem niedrigsten Stand seit 23 Jahren, das Wirtschaftswachstum nur noch knapp hinter dem des Bundes. "Wir haben die zentralen Zukunftsthemen angepackt", resümiert Kraft; der Versuch der CDU, das Land schlecht zu reden, zeuge nur von eigener Inhaltsleere und Konzeptlosigkeit.

Prominente Unterstützung aus Berlin

Für den Auftakt zur heißen Wahlkampfphase in NRW hat sich Kraft prominente Unterstützung eingeladen: Außenminister Sigmar Gabriel, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sind nach Essen gekommen, preisen in kurzen Statements das Land und seine Ministerpräsidentin.

Auch Martin Schulz ist nach Essen gekommen, der "100-Prozent-Mann" und Hoffnungsträger der SPD: Er war es, der den Sozialdemokraten zuletzt einen Aufschwung, Mitgliederzuwächse und Kanzlerträume bescherte.

Schulz braucht Kraft - nicht umgekehrt

Doch nach der Wahlschlappe im Saarland scheint auch er in den Saal zu laufen, statt zu schweben. "Ja klar, schaue ich besonders auf diesen Balken am 14. Mai um 18 Uhr", bekennt er in seinem kurzen Grußwort: Denn wenn die SPD in NRW erfolgreich sei, "dann heißt es auch: Die SPD wird stärkste Partei Deutschlands und ich werde Bundeskanzler."

Schulz braucht Kraft - nicht umgekehrt: Das wird spätestens klar, als die Ministerpräsidentin selbst die Bühne betritt und frenetisch bejubelt wird: "Wir wollen unser Land, das so schön ist, wie Ella Anschein es gezeichnet hat, noch gerechter machen", verspricht Kraft. "Mit Herzblut und Spaß an der Sache."

Stand: 02.04.2017, 14:00