Wie Armin Laschet die Landtagswahl gewinnen will

Wie Armin Laschet die Landtagswahl gewinnen will

Von Rainer Kellers

  • Ein Tag im Wahlkampf mit Armin Laschet
  • Der CDU-Spitzenkandidat will in ländlichen Regionen punkten
  • Plötzlich ist die FDP gefährlich geworden

Armin Laschet erzählt dieser Tage gerne einen Witz. Es geht um Fußball, den FC Barcelona und das Champions-League-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain Mitte März. Die Katalanen legten damals eine großartige Aufholjagd hin. Der Brasilianer Neymar schoss drei Tore. "Und", sagt Laschet mit verschmitztem Gesicht, "was heißt Neymar auf Deutsch?" Darauf kommt niemand: "Annegret Kramp-Karrenbauer."

Was will Laschet sagen?

Meistens lachen die Leute aus Verwirrung mit. Was soll das heißen? Dass die Ministerpräsidentin aus dem Saarland Knipser-Qualitäten hat? Irgendwie ja. Vor allem aber will Laschet sagen, dass man auch in der Politik Rückstände aufholen könne. Und dass die Landtagswahl in NRW noch nicht entschieden sei. 

Laschet reibt sich vergnügt die Hände. Er reißt den Witz zu Beginn dieses Wahlkampftages, als er mit Journalisten im Laschet-Bus plaudert. Am Ende wird er ihn auch auf großer Bühne erzählen. Die Aufholjagd - das Thema begleitet ihn durch den Tag.

Fachwerkhäuschen, heile Welt

Es ist ein langer Tag. Armin Laschet fährt in aller Herrgottsfrühe von seiner Heimat Aachen im äußersten Westen los. Wenn die Sonne untergeht, wird er im äußersten Osten des Landes angekommen sein. Erste Station: Soest, ein Städtchen in Südwestfalen. Schmucke Fachwerkhäuschen, heile Welt, CDU-Stammland. Es wirkt merkwürdig deplatziert, dass Laschet vor solchen Kulissen vom dramatischen Zustand des Landes spricht.

Er spaziert über den Wochenmarkt. Ein paar Mal bleibt er stehen, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Aber man merkt schnell: Small-Talk ist nicht so Laschets Sache. Wenn er Leute trifft, knautscht sich sein Gesicht zu einem Lächeln. Er hört höflich zu, stellt ein, höchstens zwei Fragen, sieht aber immer aus, als würde er am liebsten weitergehen.

Freundlich, jovial, ein wenig ungelenk

Seine Konkurrentin Hannelore Kraft ist ganz anders. Beim Wahlkampf auf der Straße blüht sie auf. Mit jedem kommt sie ins Gespräch. Es ist so, als würde sie einen Schalter umlegen, auf Wahlkampf. Laschet hingegen wirkt so, wie er immer ist: Freundlich, jovial, ein wenig ungelenk. Andererseits verstellt er sich auch nicht. Als er unerwartet eine frühere Mitstreiterin aus seiner politischen Anfangszeit in Bonn trifft, wird er herzlich. "Er hat sich nicht verändert", sagt die Dame nachher. "Sehr sympathisch."

Sympathisch, nett, ein bisschen langweilig. So wird Laschet oft beschrieben. Aber ist er ein Siegertyp?

Der politische Gegner verspottet Laschet gern als "Wackeldackel", weil er manchmal allzu leicht Positionen einnimmt und wieder räumt. Beim Nichtraucherschutz zum Beispiel oder den Studiengebühren. In der eigenen Partei sind nicht wenige genervt von Laschets Zurückhaltung. Bei der Katastrophen-Bilanz der Regierung Kraft, so heißt es, müsste es ein Leichtes sein, die Wahl zu gewinnen. Doch Laschet tut sich schwer. Die Umfragen immerhin deuten wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen an.

Laschet geht dahin, wo die CDU ohnehin stark ist

Also Aufholjagd. Und dafür tourt Laschet vor allem durch jene Gegenden, in denen die CDU traditionell stark ist. Es sind die ländlichen Regionen, besonders in Westfalen, Lippe oder dem Münsterland. Von Soest geht die Busfahrt ins beschauliche Bad Sassendorf. Dann weiter nach Bad Lippspringe, wo Laschet eine Esskastanie pflanzen darf. Die Tour endet schließlich in Beverungen gleich an der Landesgrenze zu Niedersachsen.

Warum macht Laschet das? Er wolle die Kern-Klientel mobilisieren, sagt der Kandidat. Auf die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, Wechselwähler zu gewinnen, schüttelt er den Kopf. "Ein starkes Ergebnis werden wir nicht im Norden Duisburgs holen", sagt er. Wichtiger sei, all jene in NRW zu motivieren, bei der CDU ihr Kreuz zu machen, die 2013 bei der Bundestagswahl für Merkel gestimmt hätten. "Wenn das gelingt, gewinnen wir haushoch."

Enttäuschung über die Grünen

Laschet ist aber nicht Merkel. Und auch nicht Lindner. Ausgerechnet der umtriebige FDP-Chef könnte Laschets Aufholjagd gefährden. Denn die FDP wildert in den konservativen Regionen des Landes - und liegt in Umfragen bei über zehn Prozent. Für Laschet macht es die Sache kompliziert. Er muss mit seiner CDU stärkste Kraft werden, wenn er im Koalitionspoker nach der Wahl eine Chance haben will. Deshalb gibt er jetzt häufiger den Liberalen einen mit: "Jede Zweitstimme an die FDP geht dem Neuanfang verloren", spricht er in die Mikrofone.

Einen Strich durch die Rechnung haben ihm auch die Grünen gemacht. Aus lauter Panik vor der Fünf-Prozent-Hürde wollen diese Bündnisse mit CDU oder FDP ausschließen. "Die gehen lieber mit Frau Wagenknecht als mit Laschet oder Lindner", schimpft der CDU-Spitzenkandidat. "Ein Linksruck aus nackter Existenzangst."

Es klingt enttäuscht. Als Laschet auf dem Gelände der Landesgartenschau für ein Foto auf einer grasbewachsenen Bank Platz nehmen soll, verzieht er das Gesicht. Die grüne Bank sei nicht so passend, sagt er. Dabei hätte der Aachener so gerne Schwarz-Grün oder Jamaika ausprobiert im Land. Jetzt bleibt eigentlich nur die Große Koalition.

Merkel: "NRW wird unter Wert regiert"

Der Tag neigt sich dem Ende zu. In Beverungen hat Laschet noch einmal einen großen Auftritt. Angela Merkel ist gekommen, um für Laschet zu werben. Das Land werde unter Wert regiert, ruft sie. Armin Laschet müsse der nächste Ministerpräsident werden. Der Gelobte lächelt zerknauscht. Eben noch hat er den Witz mit Kramp-Karrenbauer erzählt. Er ist guter Dinge.

Stand: 28.04.2017, 16:20