Die wichtigsten Fragen nach der Landtagswahl

Armin Laschet, CDU (l), Hannelore Kraft, SPD (r)

Die wichtigsten Fragen nach der Landtagswahl

Wie läuft jetzt nach der Landtagswahl die Regierungsbildung ab? Wann gibt es das amtliche Endergebnis? Und warum ziert sich die FDP so auffällig? Fragen und Antworten.

Wie läuft jetzt die Regierungsbildung ab?

Die CDU ist mit 33,0 Prozent der gültigen Stimmen stärkste Kraft im neuen Landtag. Alleine kann sie mit ihren 72 Sitzen nicht regieren. Für eine Mehrheit sucht sie einen Partner. Doch die SPD schließt eine Große Koalition aus; das wäre die komfortabelste Mehrheit. Und die FDP ziert sich noch - eine schwarz-gelbe Koalition hätte mit zusammen 100 Sitzen genau die erforderliche Mehrheit, um im Landesparlament den Ministerpräsidenten und seine Landesregierung zu wählen.

CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet hatte vor der Wahl eine schnelle Regierungsbildung versprochen. Es gibt aber keinen Stichtag, bis wann die Regierungsmannschaft stehen muss.

Eine schwarz-gelbe Koalition ist möglich. Warum ziert sich die FDP so auffällig?

Natürlich will die FDP den Eindruck vermeiden, dass sie allzu leicht zu haben ist. Aber neben den offensichtlichen Gründen dürfte auch die Wählerwanderung eine Rolle gespielt haben. Laut Infratest Dimap haben die Freidemokraten bei dieser Landtagswahl fast 200.000 Stimmen von ehemaligen Wählern der SPD und der Grünen erhalten. Diese will man offenbar nicht durch eine allzu große Nähe zur CDU direkt wieder vergrätzen - denn die Bundestagswahl ist nicht mehr fern.

Wie viel Zuspruch hat die CDU?

Die NRW-CDU feiert das vorläufige Ergebnis als grandiosen Erfolg, auch weil sie ihr Wahlziel erreicht hat, der rot-grünen Landesregierung die Mehrheit zu nehmen. Die CDU hat knapp 2,8 Millionen gültige Zweitstimmen bei 13,1 Millionen Wahlberechtigten erhalten.

Die 33,0 Prozent - bei einer Wahlbeteiligung von 65,2 Prozent - bedeuten für die CDU das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Das schlechteste hatte Spitzenkandidat Norbert Röttgen bei der Landtagswahl 2012: Er sammelte nur 26,3 Prozent ein - damals war die Wahlbeteiligung aber auch niedriger (59,6 Prozent).

Wie knapp hat die Linkspartei den Einzug in den Landtag verpasst?

Nach dem vorläufigen Ergebnis fehlten der Linken gerade mal rund 8.500 Stimmen, um die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.

Sind die Wahlergebnisse endgültig?

Bisher hat der Landeswahlleiter nur das vorläufige Ergebnis vorgelegt - diese Zahlen sind Basis für unsere Berichte. Das amtliche Endergebnis werde voraussichtlich am 24. Mai vorliegen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem WDR am Dienstag (16.05.2017).

Warum das so lange dauert? Nach Angaben des Ministeriumssprechers protokollieren zunächst die Kreiswahlleiter das Ergebnis und eventuelle Unregelmäßigkeiten. Diese Niederschrift erhält der Landeswahlleiter für jeden der 128 Wahlkreise. Er prüft gemeinsam mit dem statistischen Landesamt IT.NRW die Angaben, insbesondere auf Plausibilität. Der Bericht des Landeswahlleiters geht an den mit Vertretern der Parteien besetzten Landeswahlausschuss - und der stellt schließlich das amtliche Endergebnis fest.

Wo sind die Top- und Flop-Wahlkreise der Parteien?

Insgesamt konnten die Christdemokraten in 71 von insgesamt 128 Wahlkreisen einen Sieg feiern. Das beste Ergebnis erzielte die CDU in Olpe im Sauerland. Dort holte sie 49,4 Prozent der Zweitstimmen - also fast die absolute Mehrheit. Im Wahlkreis "Köln III" gab es hingegen nur 19,6 Prozent. Die SPD erzielte ihr bestes Ergebnis mit 44,6 Prozent im Wahlkreis "Unna III - Hamm II", das schlechteste in "Paderborn I": 22,1 Prozent. Der Rekord für die FDP liegt bei 19,9 Prozent im "Rhein-Kreis Neuss III", die AfD konnte in "Gelsenkirchen II" 15,2 Prozent einfahren.

Mal knapp, mal überraschend: Die wichtigsten Wahlergebnisse

Armin Laschet, CDU, Erststimmen

Nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen hat CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet seinen Wahlkreis in Aachen knapp gewonnen. Lange war fraglich, ob er sich überhaupt durchsetzt. Am Ende hatte Laschet einen Vorsprung von 567 Stimmen. Eine Niederlage wäre brisant gewesen: Denn in Nordrhein-Westfalen kann - anders als in anderen Bundesländern - nur Ministerpräsident werden, wer ein Landtagsmandat besitzt.

Nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen hat CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet seinen Wahlkreis in Aachen knapp gewonnen. Lange war fraglich, ob er sich überhaupt durchsetzt. Am Ende hatte Laschet einen Vorsprung von 567 Stimmen. Eine Niederlage wäre brisant gewesen: Denn in Nordrhein-Westfalen kann - anders als in anderen Bundesländern - nur Ministerpräsident werden, wer ein Landtagsmandat besitzt.

Noch-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft konnte ihren Wahlkreis in Mülheim an der Ruhr wieder gewinnen - wenn auch mit deutlichen Verlusten. Mit 43,7 Prozent lag Kraft weit weg vom Ergebnis 2012. Damals war sie noch mit 59,1 Prozent gewählt worden. Trotz ihres Rücktritts von allen Parteiämtern will die SPD-Frau ihr Mandat als normale Landtagsabgeordnete fortführen. "Eine gute Abgeordnete sein für meinen Wahlkreis Mülheim an der Ruhr", sagte sie am Wahlabend zu ihren politischen Zielen.

Trotz der massiven Kritik an seiner Arbeit konnte Innenminister Ralf Jäger den Wahlkreis in seiner Heimatstadt Duisburg klar gewinnen. Mit 40,6 Prozent lag der SPD-Mann deutlich vor seinem erst 26 Jahre alter CDU-Herausforderer Nicolas Back. Aber auch Jäger musste deutliche Verluste hinnehmen. Vor fünf Jahren hatten ihn die Wähler im Wahlkreis Duisburg III noch mit 58,4 Prozent in den Landtag gewählt.

Eine Überraschung gab es im Wahlkreis Köln V. Dort konnte der NRW-Vorsitzende der Jungen Union (JU), Florian Braun, das Direktmandat gewinnen. Er setzte sich knapp gegen den bisherigen Fraktionsvize und ehemaligen OB-Kandidaten Jochen Ott durch. Der SPD-Mann wird aber trotzdem im Landtag sitzen, da er dank eines vorderen Platzes auf der Landesliste ein Mandat bekommt. Der jüngste Abgeordnete wird JU-Chef Braun aber nicht sein. Über diesen "Titel" kann sich Alexander Brockmeier freuen. Der FDP-Politiker ist 24 Jahre alt.

Auch ein anderer Kölner Wahlkreis sorgt für Schlagzeilen: Köln III. Dort war das Feld der Parteien bei den Zweitstimmen besonders eng. Während die CDU mit 19,6 Prozent ihr landesweit schlechtestes Ergebnis einfuhr, konnten sich im Gegenzug die Grünen über ihr stärkstes Resultat in ganz NRW freuen.

Aus der Landeshauptstadt Düsseldorf zieht ein neues Gesicht mit einem altbekannten Namen in den Landtag ein: Angela Erwin. Die 36-Jährige ist die Tochter des ehemaligen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Joachim Erwin. Neben ihr konnten auch die anderen drei CDU-Kandidaten die Wahlkreise in Düsseldorf gewinnen. Damit eroberte die Partei alle Mandate von der SPD zurück.

Die bislang oberste Repräsentantin des Parlaments, Landtagspräsidentin Carina Gödecke, wird auch dem neuen Plenum angehören. Sie setzte sich mit 42,8 Prozent gegen die CDU-Kandidatin Regina van Dinthe durch. Bei der vorherigen Wahl waren es noch 54,9 Prozent für Gödecke gewesen. Ihr Amt ist die SPD-Frau zudem los. Traditionell stellt nämlich die stärkste Fraktion den Landtagspräsidenten - was nun die CDU ist.

Über ein besonders gutes Ergebnis kann sich die AfD im Wahlkreis Gelsenkirchen II freuen. Dort entschieden sich 15,2 Prozent der Wähler für die Partei - der höchste Wert in ganz NRW. Aber auch in den Wahlkreisen Duisburg IV - Wesel V sowie Gelsenkirchen I waren es mit über 14 Prozent deutlich mehr als im Landesschnitt (7,4 Prozent). Zum Vergleich: Den schlechtesten Wert gab es in Münster mit 3,4 Prozent.

Mit Spannung wurde auf den Wahlkreis Essen I - Mülheim II geschaut. Dort kandidierte neben Justizminister Thomas Kutschaty auch Guido Reil. Der AfD-Bewerber war jahrelang SPD-Mitglied und sollte für seine neue Partei viele Wählerstimmen mit rüberholen. Sogar von einem Sieg hatte die AfD geträumt. Am Ende setzte sich Kutschaty dann aber doch klar durch.

In Heiligenhaus im Kreis Mettmann wurde im Wahlbezirk Mettmann III der bisherige Bürgermeister Jan Heinisch in den Landtag gewählt. Der 41-Jährige wird sich jetzt ganz auf seine Arbeit im Landtag konzentrieren. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird noch in diesem Jahr gewählt werden, vermutlich parallel zur Bundestagswahl am 24.09.2017.

Was hat die Wahl entschieden?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer erklärt den Absturz der SPD recht schlüssig damit, dass sie Erfolge - zum Beispiel in der Bildungspolitik - nicht ordentlich kommunizieren konnte. Andere Reizthemen habe die SPD schlicht zu spät erkannt, beispielsweise die Innere Sicherheit. "Es wird keine gute Opposition gewählt, sondern eine schlechte Regierung abgewählt", fasst Neugebauer zusammen.

Stand: 16.05.2017, 12:10