Altwölfe mit einem Jungtier

"Problemwölfe": Land will Abschuss regeln

Stand: 26.01.2022, 17:17 Uhr

Der Wolf ist bei Nutztierbesitzern berüchtigt - besonders am Niederrhein. Nun reagiert der Landtag: Per Verordnung soll das Umweltministerium den Abschuss von "Problemwölfen" regeln.

Von Martin Teigeler

NRW soll eine Wolfsverordnung bekommen, damit "verhaltensauffällige" "Problemwölfe" abgeschossen werden können. Mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen CDU und FDP beschloss der Landtag am Mittwoch in Düsseldorf einen entsprechenden Antrag. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) wird nun im Frühjahr eine Verordnung vorlegen. Vorher werden die Verbände angehört.

40 Attacken von Wölfen auf Nutztiere, meist Schafe, gab es 2021 in NRW - mit Schwerpunkt im Wolfsgebiet am Niederrhein bei Schermbeck (Kreis Wesel). In Niedersachsen gibt es bereits eine Verordnung. Doch Naturschützer haben dagegen Klage eingereicht. Wölfe sind sowohl in der Bundesrepublik, in der EU und laut internationalen Artenschutzabkommen geschützt. Nur unter strengen Auflagen erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz den Abschuss.

Bei einer Anhörung im November 2021 im Landtag hatte Ursula Heinen-Esser ein Rechtsgutachten vorgelegt. Demnach sind die Wölfe im Wolfsgebiet Schermbeck nicht verhaltensauffällig und dürfen nicht getötet werden.

Ein milderes Mittel als der Abschuss ist das "Vergrämen" - also das Vertreiben mit vorübergehenden Schmerzen. Im Nachbarbundesland Niedersachsen etwa wird dies durch Beschuss mit Gummigeschossen versucht.

Ministerium entscheidet künftig über Abschuss

Ursula Heinen-Esser, 14.06.2018

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

Auch Ponys seien gerissen worden, sagte Ministerin Heinen-Esser, was zu einer Emotionalisierung der Debatte geführt habe. Zugleich aber bekannte sie sich zum Artenschutz und sprach von einer "Quadratur des Kreises". Die CDU-Politikerin will neben der Regelung eines Abschusses per Verordnung auch den Schutz von Weide- und Nutztieren verbessern.

Was die Menschen vor Ort störe, sei das bisherige "Verantwortungs-Chaos", sagte der FDP-Politiker Markus Diekhoff. Deshalb sei es gut, dass die Einzelfallentscheidung über eine "Entnahme" (sprich: Abschuss) eines "Problemwolfs" künftig vom zuständigen Umweltministerium getroffen werde. Man könne den Landwirten diese Entscheidung nicht zumuten, sagte die Ministerin dazu.

Grüne warnen vor "Fehl-Abschüssen"

Die Rückkehr des Wolfs sei ein positives Zeichen für den Naturschutz, aber auch eine Bürde für die Weidetierhalter, sagte der Grünen-Umweltexperte Norwich Rüße. Er mahnte eine genaue Prüfung von Einwänden gegen die bisherigen Pläne an und warnte vor "Fehl-Abschüssen" wie in Niedersachsen.

SPD fordert mehr Entschädigungen

Für "präventiven Herdenschutz" und eine Ausweitung von Entschädigungen von bislang Schafen, Ziegen und Gehegewild auch auf Rinder, Pferde oder sonstige gehaltene Tiere plädierte der SPD-Abgeordnete René Schneider.

Wölfe: Vergraulen, erschießen oder schützen?

WDR RheinBlick 22.10.2021 29:25 Min. Verfügbar bis 22.10.2022 WDR Online


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