U-Ausschuss Flutkatastrophe: Die Grenzen der Meteorologie

#KlimaAlarm – Doku  von Christian Dassel

U-Ausschuss Flutkatastrophe: Die Grenzen der Meteorologie

Von Thomas Drescher

Haben die Behörden nicht ausreichend gewarnt vor der Flutkatastrophe im Juli 2021? Dieser Frage geht ein Untersuchungsausschuss des Landtags nach. Am Freitag sagten drei Wetterkundler aus.

Es gibt zwei Sätze, die von den drei hochrangigen Wetterkundigen im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags fast wortgleich wiederholt wurden. Erstens: Die Meteorologie kann vorhersagen, wie das Wetter wird und wieviel Regen fallen wird. Und zweitens: Was dieser Regen anrichtet, wenn er in großer Menge auf den Boden trifft, können Meteorologen nicht wissen. Dazu bedarf es anderer Kenntnisse.

Zur Flutkatastrophe befragt wurden Katja Horneffer, Chef-Meteorologin beim ZDF, Silke Hansen, die das ARD-Kompetenzzentrum für Wetter beim Hessischen Rundfunk leitet und Professor Gerhard Adrian, Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Einig in der Sache

Einig waren sich die Wetterfachleute auch in anderen Punkten. Etwa darin, dass sich schon am Wochenende vor der Flutwoche sehr starke Regenfälle abzeichneten. "Dieses Wetterereignis war sehr gut vorhersagbar", sagte DWD-Präsident Adrian. "Wir wussten, dass ein extremes Niederschlagsereignis bevorstehen könnte". Mehrere Modelle stimmten in ihren Prognosen überein.

Am Montag, dem 12. Juli, habe ein besonnener und eher zurückhaltender Kollege davor gewarnt, es könne regional zu katastrophalen Szenarien kommen, sagte ARD-Meteorologin Hansen. Sven Plöger habe im Fernsehen die Menschen aufgefordert, die Flusspegel genau zu beobachten. An diesem Tag hätte auch das ZDF Karten mit Regenmengen bis zu 200 Liter pro Quadratmeter gezeigt, so Katja Horneffer.

Alle drei Meteorologen stimmten auch darin überein, sie hätten alles in ihrer Macht stehende getan, um Behörden und Bevölkerung auf allen Kanälen vor der Katastrophe zu warnen, die in den Tagen danach über die Menschen hereinbrach. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte Horneffer. Sie könne sich nicht erklären, so ARD-Frau Hansen, warum Menschen glaubten: Das betrifft mich nicht. "Alle glauben, dass die im Lotto gewinnen. Aber niemand glaubt dass er vom Blitz getroffen wird."

Wer zieht die Schlussfolgerungen?

Wenn also die Zuständigkeit der Wetterwarner in dem Moment endet, sobald der Regen die Erde berührt und aus Niederschlagsmengen eine Sturzflut wird: Wer hätte denn wissen können, was diese Wassermassen auf der Erdoberfläche auslösen, wollte der FDP-Abgeordnete Werner Pfeil wissen.

"Aus meiner Sicht bedarf es eines interdisziplinären Gremiums", sagte Katja Horneffer vom ZDF. Man benötige dafür Kenntnisse über die Bodenbeschaffenheit, ob dieser überhaupt noch Wasser aufnehmen kann, über die Topographie (handelt es sich um Flachland oder um schmale Gebirgstäler), ob es Regenrückhaltebecken gibt, wie voll die Talsperren sind und vieles mehr. Ob ihr eine staatliche Stelle in NRW bekannt sei, die all diese Informationen zusammenführt, fragte der SPD-Abgeordnete Stefan Kämmerling. Silke Hansen von der ARD kennt sie nicht.

Ob hier gerade eine neue Behörde erfunden wird und welche Lücken in der Warnkette aufgedeckt werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bisher ist der Untersuchungsausschuss nur bis zur Landtagswahl am 15. Mai eingesetzt.

Stand: 07.01.2022, 17:14