Wird in NRW genug gegen Kindesmissbrauch getan?

Wird in NRW genug gegen Kindesmissbrauch getan?

Von Christian Wolf

  • Landtag debattiert über den Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch
  • Innenminister Reul räumt Fehler ein und lobt Konsequenzen
  • Opposition sieht noch immer Mängel

Es ist ein zeitlicher Zufall, aber er macht die Dramatik des Problems deutlich: Erst am Dienstag (26.05.2020) ist im bundesweiten Kindesmissbrauchsfall Bergisch Gladbach ein 27 Jahre alter Familienvater zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nur einen Tag später ist am Mittwoch im NRW-Landtag eine Zwischenbilanz des Kampfes gegen sexuellen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie gezogen worden.

Reul spricht von "Massenphänomen"

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) räumte ein, die Dimension von Kindesmissbrauch lange Zeit nicht erkannt zu haben. "Auch mir war nicht bewusst, was für ein gesellschaftlicher Abgrund sich hier auftut." Inzwischen sei klar, dass es um "ein Massenphänomen" gehe.

Reul verwies darauf, was sich seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsfalls von Lügde getan habe. In den Kreispolizeibehörden arbeiteten nun viermal so viele Ermittler gegen Kindesmissbrauch. Beim Landeskriminalamt habe sich die Zahl sogar verfünffacht. Die Strukturen in den Behörden seien verbessert und moderne Technik angeschafft worden. Das Ziel sei, "dass jeder Täter jederzeit Angst haben muss, gefasst zu werden."

Deshalb freue er sich auch - anders als bei anderen Kriminalitätsbereichen - über mehr registrierte Fälle in der Statistik. "Das ist ein echter Fortschritt, denn wir hellen hier jenes Dunkelfeld auf, von dem immer die Rede ist." Konkret wurden 2019 in NRW 2.805 Fälle von sexuellen Missbrauch von Kindern erfasst. Das waren 16 Prozent mehr als im Jahr davor.

Kritik an Behörden von Ort

Auch aus den Reihen der Opposition wurden die Verbesserungen gelobt. Doch es gab auch Kritik. So bemängelte SPD-Innenexperte Andreas Bialas, dass es den staatlichen Stellen nicht an Hinweisen fehle. Oftmals würden diese aber nicht erkannt oder ihnen nicht nachgegangen. Das Problem sei "fehlende Kompetenz" und nicht "böser Wille".

Die Grünen mahnten auch strukturelle Veränderungen bei Jugendämtern an. Seitens der AfD wurde ein "Zuständigkeitswirrwarr" kritisiert.

Die Lehren aus Lügde

WDR 5 Westblick - aktuell 23.04.2020 05:18 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 WDR 5 Von Bettina Altenkamp

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Stand: 27.05.2020, 12:42