Fall Lügde: Weitere Kinderpornos bei Abrissarbeiten gefunden

Fall Lügde: Weitere Kinderpornos bei Abrissarbeiten gefunden

Von Christian Wolf

  • Bei Abrissarbeiten in Lügde wurde weiteres Kinderporno-Material gefunden
  • Aktion hatte ohne Polizei stattgefunden und gilt als umstritten
  • Innenminister Reul weist Rücktrittsforderung zurück

Im Missbrauchsfall von Lügde ist weiteres kinderpornografisches Material aufgetaucht. Mitte April war die Behausung des Hauptverdächtigen abgerissen worden. Unter den danach sichergestellten Datenträgern sei eine CD mit kinderpornografischen Filmen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag (30.04.2019) in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag.

Innenminister Herbert Reul

NRW-Innenminister Herbert Reul

Für das Verfahren der Staatsanwaltschaft sei die CD aber nicht mehr relevant, sagte Reul. Trotzdem sei der Fund für die Polizei wichtig, da er Hinweise auf andere Fälle und Opfer geben könnte. Auf VHS-Kassetten und Disketten, die ebenfalls bei Abrissarbeiten gefunden worden waren, befinde sich kein relevanter Inhalt.

Polizei war beim Abriss nicht dabei

Der Abriss gilt als umstritten, da er lediglich von einem privaten Unternehmen durchgeführt wurde. Die Polizei war währenddessen nicht vor Ort und hat die Datenträger erst später bekommen. Die Behörden erklären das damit, dass der Tatort zuvor ausführlich durchsucht und danach offiziell freigegeben worden sei.

Schuppen stand außerhalb des Absperrbandes

Ein Geräteschuppen mit Kamerateam

Der Geräteschuppen war den Ermittlern wochenlang nicht aufgefallen

Durch die Abrissarbeiten waren die Ermittler auch auf einen Schuppen aufmerksam geworden, der in der Nähe der Bahausung stand, aber nicht durchsucht worden war. Innenminister Reul bezeichnete das am Dienstag als "Fehler".

Er erklärte das Übersehen damit, dass der Tatort ursprünglich mit Polizeiabsperrband gesichert worden sei und der Schuppen außerhalb dieser Markierung gelegen habe. Deshalb hätten die Ermittler geglaubt, er gehöre nicht zum Hauptbeschuldigten.

Camper werden befragt

Die Ermittlungskommission der zuständigen Polizei in Bielefeld wurde laut Reul auf inzwischen 79 Mitarbeiter aufgestockt - unter anderem, um die übrigen Bewohner auf dem Campingplatz zu befragen. Dies sei bislang nicht passiert, da sich die Arbeiten zunächst auf den konkreten Tatort und die Tatverdächtigen konzentriert hätten, so der Minister.

Die SPD erneuerte am Dienstag ihre Rücktrittsforderung an Reul und begründete das mit verlorenem Vertrauen der Bevölkerung. Reul wies das zurück und nannte die Behauptung "ein starkes Stück". "Das sollen die mal beweisen", sagte er.

Auf dem Campingplatz im Kreis Lippe soll der Hauptbeschuldigte - ein 56 Jahre alter Dauercamper - mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein Mann aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft. Ermittelt wurden bislang 40 Opfer.

Neue Erkenntnisse im Missbrauchsfall Lügde

WDR aktuell - Der Tag 30.04.2019 10:07 Min. WDR 3

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Stand: 30.04.2019, 16:41