Bewegende Gedenkstunde für Opfer der Flutkatastrophe

Bewegende Gedenkstunde für Opfer der Flutkatastrophe

Von Sabine Tenta

Im Mittelpunkt der Gedenkstunde im Landtag standen Angehörige, Betroffene und Einsatzkräfte. Eine Stunde der großen Worte und der kleinen Gesten.

"Die Bilder im Fernsehen zu sehen, hat mich betroffen gemacht. Aber ich war dadurch nicht annähernd darauf vorbereitet, was mich vor Ort erwartet hat." Das sagte die Leitende Notärztin Nicole Didion am Mittwoch im NRW-Landtag. In einer bewegenden Gedenkstunde gedachten der Landtag und die Landesregierung der Opfer der Flutkatastrophe.

Eingeladen zur Gedenkstunde waren Angehörige, Betroffene und Einsatzkräfte. Einige von ihnen saßen auf der Regierungsbank. Eine aufmerksame Geste, die diejenigen in den Mittelpunkt stellte, für die diese Veranstaltung war.

Notärztin Didion: "Brücken, die belastbar sind"

Eindrücklich schilderte die junge Ärztin Didion vom Netzwerk Katastrophenmedizin, wie belastend es war, mit anzusehen, dass Opfer nur noch tot geborgen werden konnten, sowie schwere und schwerstverletzte Menschen zu versorgen. Und immer wieder zuzuhören. Unvergessen sei für sie die Schilderung eines Überlebenden, der mitansehen musste, wie ein Angehöriger von der Flut mitgerissen wurde.

"Wir sahen Hoffnungslosigkeit, Aussichtslosigkeit und Perspektivlosigkeit." Doch Didion sagte auch: "Viel ist verloren, aber auch schon viel erreicht. Brücken wurden gebaut, Brücken, die belastbar sind. Übers Wasser und zwischen Menschen."

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Betroffener: "Das gibt Hoffnung"

In Filmen, die auf einen großen Monitor über dem Präsidium des Landtags eingespielt wurden, kamen Menschen aus den Katastrophengebieten zu Wort. Menschen, die unmittelbar betroffen sind, die als Einsatzkräfte, als Ehrenamtler geholfen haben.

Die Bilder und Statements ließen die Dimension der Katastrophe erahnen, aber auch die große Welle der Hilfsbereitschaft. Ein Betroffener sagte: "Die Unterstützung war unglaublich. Das gibt Hoffnung, dafür lohnt es sich weiter zu kämpfen." Es war ein bewegender Film, der die Anwesenden im Landtag sichtlich berührte.

Ministerpräsident Laschet: "Wir müssen besser werden im Warnen"

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte "eine solche Aufbauleistung haben wir zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg bewältigen müssen." Der Wiederaufbau sei das eine, "das Zweite ist: Was können wir daraus lernen?" Seine Schlussfolgerung ist: "Wir müssen besser im Warnen werden." Und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels komme nun eine besondere Bedeutung zu.

Laschet versicherte den Betroffenen: "Wir bleiben bei Ihnen, wir stehen an Ihrer Seite, Nordrhein-Westfalen steht an Ihrer Seite, die Erinnerung an die Opfer wird ebenso bleiben." In kurzer Zeit sei es nach der Gedenkstunde für die Opfer der Corona-Pandemie die zweite derartige Veranstaltung im Landtag: "Es ist eine Heimsuchung, die wir im Moment erleiden. Sie wird prägend bleiben für die Erinnerung unseres Landes."

Landtagspräsident Kuper: "Wie konnte das geschehen?"

Auch der Präsident des Landtages, André Kuper (CDU), dankte wie Laschet und Didion in seiner Rede den Einsatzkräften und vielen Ehrenamtlern, die in der Not geholfen haben. Fast die Hälfte der knapp 400 Kommunen in NRW sei betroffen gewesen. An die Angehörigen gewandt sagte er: "Seien Sie sicher, Sie sind in Ihrer Trauer nicht allein, unser Mitgefühl ist bei Ihnen."

Der Präsident stellte aber auch fest, bei aller Trauer bleibe die Frage: "Wie konnte das geschehen?" Kuper versprach: "Dieses Parlament wird das Geschehen aufarbeiten - unabhängig von Wahlterminen."

Nach Kupers Rede wurden auf dem Monitor vor einer schwarzen Tafel mit dunklem NRW-Wappen die Namen der Toten eingeblendet. Dazu spielten die Violinistin Vera Merziger aus Wachtberg und der Pianist Christian Brandenburger aus Sankt Augustin. Ihre musikalische Begleitung der Gedenkstunde war reduziert und konzentriert. Sie schuf zwischen den Reden und Einspielungen den nötigen Raum, die Eindrücke wirken zu lassen.

Stand: 08.09.2021, 12:09