Expertenanhörung: Welche Lehren aus Lügde ziehen?

Düsseldorfer Landtag

Expertenanhörung: Welche Lehren aus Lügde ziehen?

  • Expertenanhörung zum Schutz vor Missbrauch
  • Mehrere Experten fordern Kinderbeauftragten
  • Mehr als 2000 angezeigte Missbrauchsfälle pro Jahr

Im NRW-Landtag haben Experten darüber beraten, wie Kinder besser vor Missbrauch geschützt werden können. Hintergrund ist der Fall Lügde, bei dem mehr als 40 Kinder missbraucht worden sein sollen.

Über 2.000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch wurden im Jahr 2017 in NRW angezeigt, die Dunkelziffer ist laut Experten noch erheblich größer. Wie können die Behörden solche Fälle schneller erkennen und besser reagieren? Müssen dafür eventuell auch die Strukturen der Jugendämter verändert werden? Rund 30 Experten berichteten am Montag (24.06.2019) den ganzen Tag im Landtag von ihren Erfahrungen und Empfehlungen.

Bekommt NRW einen Kinderbeauftragten?

Ein Vorschlag: das Land könnte einen unabhängigen Kinderbeauftragten benennen, der sich besonders um Kinderschutz und Missbrauchs-Prävention kümmern könnte. In einigen anderen Bundesländern gibt es das schon.

Außerdem forderten die Experten eine bessere Ausbildung zum Thema Kinderschutz für angehende Jugendamts-Mitarbeiter, Familienrichter oder Kinderpsychologen. Die nordrhein-westfälische Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz kritisierte, dass zu selten von der Möglichkeit der Videovernehmung Gebrauch gemacht werde. Oft fehle die entsprechende Technik, außerdem seien Mitarbeiter teilweise nicht ausreichend geschult.

Wo endet die Schweigepflicht?

Das größte Problem aus Sicht der Ärzte unter den Experten sind die strengen Regeln der Schweigepflicht. Diese gilt nicht nur für Missbrauchsfälle, sondern auch für Kindesmisshandlungen. Denn häufig handelt es sich zunächst nur um einen Verdacht, der sich über Wochen oder Monate entwickle.

Spricht der Arzt dann die betroffenen Eltern an, wechseln die häufig den Mediziner. Da der neue Kinderarzt sich nicht mit dem bisherigen Arzt austauschen dürfe, werde ein Missbrauchs- oder Misshandlungsverdacht nicht weitergegeben. Mehrere Experten wiesen in diesem Zusammenhang auf das Duisburger Projekt Riskid hin, das dieses Problem mit einer Datenbank zu lösen versucht.

Die Ergebnisse der Expertenanhörung sollen in in das geplante Kinderschutz-Konzept der Landesregierung einfließen, das Minister Joachim Stamp in Kürze vorlegen will.

Stand: 24.06.2019, 15:05