Kriminalstatistik 2018: Harte Zahlen oder heiße Luft?

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Kriminalstatistik 2018: Harte Zahlen oder heiße Luft?

Von Nina Magoley

  • Straftaten in NRW laut Statistik weniger geworden
  • Landesregierung sieht das als eigenen Erfolg
  • Experten: Zahlen sind nicht hart sondern butterweich

Die Zahl der Straftaten in NRW sei gesunken, während die Aufklärungsquote der Polizei "auf ein Rekordhoch" angestiegen sei: Die schwarzgelbe Landesregierung ist mit ihrer Arbeit zufrieden - und bezieht sich dabei auf die jüngst erschienene Polizeiliche Kriminalstatistik 2018.

Mehr als die Hälfte (53,7 Prozent) der Straftaten wurden demnach von der Polizei aufgeklärt. "Die sicherheitspolitische Wende wirkt", konstatierte der CDU-Abgeordnete Gregor Golland am Donnerstag (21.02.2019) in seinem Statement vor dem Landtag, NRW werde "jeden Tag ein Stück sicherer".

"Aufgeklärt" - noch lange nicht

Sicherheitsexperten sind sich da nicht so sicher. Denn was in der Polizeistatistik als "aufgeklärte Straftat" bezeichnet wird, sei das in Wahrheit oft noch lange nicht, sagt Frank Kawelovski, Polizeiwissenschaftler an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Mülheim.

"Ein Tatverdächtiger wurde ermittelt": Wenn dieser Satz im Polizeibericht steht, lande der jeweilige Fall als "aufgeklärt" in der Kriminalstatistik, sagt Kawelovski. "Dazu reicht es aber, wenn ein Zeuge den Nachbarn als Tatverdächtigen beschuldigt und die Kollegen dessen Namen notieren."

Statistik "butterweich"

Wie weit die Ermittlungen gingen, ob der Täter jemals gefasst oder gar gerichtlich verurteilt wurde - darüber sage die Polizeiliche Kriminalstatistik rein gar nichts aus. "Die Statistikrichtlinien sind an diesem Punkt butterweich", so Kawelovski, der selbst auch Kriminalhauptkommissar ist.

So liege die angebliche "Aufklärungsquote" nach Einbruchdiebstahl bei bis zu 20 Prozent, letztlich verurteilt würden aber nur etwa zwei Prozent der Täter. "Der normale Bürger versteht das nicht als aufgeklärt", meint Kawelovski.

Grüne fordern genauere Zahlen

Im vergangenen Jahr war es dasselbe: Insgesamt 1.373.390 Straftaten verzeichnete die Kriminalstatistik für 2017. Die Aufklärungsquote, jubelte Innenminister Herbert Reul (CDU) auch da schon, liege bei 52,3 Prozent. Laut NRW-Strafverfolgungsstatistik wurden im selben Jahr aber nur knapp 120.800 Täter verurteilt.

Wäre nach jeder "polizeilichen Aufklärung" auch eine Verurteilung erfolgt, hätten mehr als 718.000 Straftaten abgeurteilt werden müssen.

Die Debatte um die NRW-Sicherheitspolitik sei "wenig durchsichtig", kritisierte die Grüne Landtagsabgeordnete Verena Schäffer. Sie forderte eine jährliche Verlaufsstatistik, die klar und deutlich zeigen soll, zu welchen Endergebnissen polizeiliche Ermittlungen bei Straftaten geführt haben.

Kriminalstatistik 2018 WDR aktuell 13.02.2019 01:39 Min. Verfügbar bis 13.02.2020 WDR

Stand: 21.02.2019, 14:36