Landtag hörte Experten zum Ende der Braunkohle

Debatte zur Zukunft des Rheinischen Reviers WDR aktuell 13.02.2019 01:53 Min. Verfügbar bis 13.02.2020 WDR

Landtag hörte Experten zum Ende der Braunkohle

Mehr als 40 Experten hatte der Landtag geladen. Die Abgeordneten hatten viele Fragen zum Ende der Kohleverstromung. RWE skizzierte Vorstellungen zum Ausstieg.

Es war eine Mammutanhörung: Der Wirtschafts- und der Verkehrsausschuss hatten gemeinsam 43 Experten eingeladen. Sie standen den Abgeordneten Rede und Antwort zu den vielen ungeklärten Fragen rund um das Ende der Kohleverstromung.

RWE skizziert Ausstiegspläne

Lars Kulik, Vorstand bei RWE Power, dem Unternehmen, das die Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Revier betreibt, nannte die geplanten Stilllegungen von Kraftwerksblöcken "sehr ambitioniert".

Kohleausstieg: Wie sieht die Zukunft der RWE-Mitarbeiter aus?

WDR 2 29.01.2019 03:15 Min. Verfügbar bis 29.01.2020 WDR 2

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Bis zu drei Gigawatt Kraftwerksleistung könne RWE bis 2022 vom Netz nehmen - zusätzlich zu den bereits laufenden Stilllegungen. Um das Jahr 2030 herum plant RWE, den Tagebau Inden zu schließen und damit auch das Kraftwerk Weisweiler, sagte Kulik. Danach wären bis zum Ende der Braunkohle im Jahr 2038 nur noch drei moderne sogenannte BOA-Kraftwerke am Netz - plus zwei ältere 600-MW-Blöcke.

Diese zusätzlichen älteren Blöcke erregten sofort den Protest auf Seiten der Umwelt- und Klimaschützer. „Wer die Milliardenhilfe des Bundes für den Strukturwandel will“, der müsse auch seine Pflichten erfüllen und zügig aus der Kohle aussteigen, sagte Erneuerbare-Energien-Experte Reiner Priggen.

Priggen mahnte zugleich: Die Gespräche der Landesregierung mit den Menschen in den noch zur Umsiedlung anstehenden Dörfern müssten jetzt beginnen, nicht erst im Herbst.

Umsiedlungen weiter umstritten

Auch in der Frage der Umsiedlungen prallten die gegensätzlichen Auffassungen von RWE und Umweltschützern aufeinander. Während der BUND den sofortigen Stopp der "Zwangsumsiedlungen" in sieben Dörfern an den Tagebauen Hambach und Garzweiler forderte, warnte RWE davor, diese Umsiedlungen infrage zu stellen.

Mit 57 Prozent der betroffenen Eigentümer habe man sich bereits über den Kauf der Anwesen geeinigt, sagte RWE. An den neuen Umsiedlungsorten gebe es etwa 170 Neubauten oder konkrete Planungen. Ein Stopp während der laufenden Umsiedlung wäre weder für die alten noch für die neuen Orte gut, stellt der RWE-Bericht an den Landtag fest.

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Aluindustrie besorgt über Stromschwankungen

Das Thema Versorgungssicherheit wurde von vielen Experten angesprochen. Der Vertreter von Hydroaluminium, dem größten europäischen Produzenten von Aluminium mit Sitzen in Neuss und Grevenbroich, berichtete über eine wachsende Zahl von Stromabschaltungen und über Schwankungen im Stromnetz, die er mit der Zunahme von erneuerbaren Energien in Zusammenhang brachte.

Diese Abschaltungen der Aluhütten, die sehr viel Strom benötigen, dienen der Stabilisierung der Stromnetze. 2017 waren es noch insgesamt vier, 2018 waren es über 80 Abschaltungen. Zur Stabilisierung der Stromversorgung könnte man für zweistellige Millionenbeträge Pufferbatterien beschaffen. Wer wer komme als Konsequenz des Umstiegs auf erneuerbare Energien für solche Kosten auf?

Stand: 13.02.2019, 15:18

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Friedrich 15.02.2019, 12:30 Uhr

    Also mir konnte bisher noch niemand die Frage beantworten wie fiele Stunden Windstille ohne Sonnenschein es in ganz Deutschland in den letzten 100 Jahren eigentlich gegeben hat. Ich vermute nicht eine einzige. Denn solche Wetterphänomene gibt es in der Regel nur Örtlich sehr begrenzt. Aber Leute die so Argumentieren ignorieren ganz einfach die ganzen Dinge die in Bau und Planung sind. Z.B. die zwei im Bau befindlichen Unterseekabel nach Norwegen oder das Projekt Power-tu-Gas. Darum muss man ganz klar sagen die Versorgungssicherheit für die Zukunft ist kein Problem. Wir haben bei der Abschaltung der Kohlekraftwerke nur ein großes Problem, das sind die Arbeitskräfte. Es verlieren sehr viele Leute ihre Arbeit und das ist das Problem. Alle anderen Probleme sind nur herbeigeredet. Die gibt es tatsächlich nicht.

  • 5 Ellie 15.02.2019, 10:48 Uhr

    Den Strukturwandel wollten nicht die Energieversorger sondern Umweltverbände etc ,hätte man es noch ein paar Jahre weiterlaufen lassen brauchte der Steuerzahler sich keine Gedanken zumachen wie man die ganze Nummer auch bezahlen muss

  • 4 Axel van Ratingen 15.02.2019, 05:57 Uhr

    Lars Kulik sagte nicht das RWE alleine 3 GW vom Netz nehmen kann, sondern nur ein großer Teil. Welche Kraftwerke an welchen Standorten, das wird die Bundesregierung mit den Betreibern aushandeln. Das die Umweltverbände es direkt besser wissen und die Verteilung des bereitgestellten Geldes mitbestimmen bzw. als Grund für Abschaltung hinstellen, finde ich schon grenzwertig. Man beachte doch bitte den letzten Absatz, das betrifft nicht nur die Aluhütten, auch meines Wissens nach, kleinere Betriebe bis hin zu Pflegeeinrichtungen die sich vor Ihren Servern USV`en einbauen müssen. Das muss alles bedacht werden.

  • 3 Friedrich Gode 14.02.2019, 14:48 Uhr

    Mir konnte bisher noch niemand die Frage beantworten wo die 30 GW die durch Kernkraft u d Kohleausstieg wegfallen in Zukunft her kommen sollen. Etwa aus dem Ausland das seit Jahren von uns Strom importiert? Wie es bei Windstille wird wage ich mir gar nicht Vorzustellen. Aber wir schaffen das

    Antworten (1)
    • hø'ø 14.02.2019, 19:57 Uhr

      Bei Windstille ohne Sonnenschein bekommen die Alu- und Stahlhüttenmitarbeiter staatlich finanziertes Schlechtwettergeld. Ohne Strom läuft da nämlich nichts mehr.

  • 2 Anonym 14.02.2019, 07:48 Uhr

    Versorgungssicherheit mittels br-kohlekraftwerken sichern wollen u. Fertige wesentlich sauberere gaskraftwerke nicht nutzen ist schon blöd.

    Antworten (1)
    • hø'ø 14.02.2019, 19:54 Uhr

      Was soll bei Gaskraftwerken so viel sauberer sein als an bei einem modernen Kohlekraftwerk? Klimawirksame Abgase (Kohlendioxid / Wasser) sowie Stickoxide werden bei beiden erzeugt, Moderne Kohlekraftwerke haben allerdings überaus wirksame Filter gegen Staub, Schwefeldioxid und andere Verbrennungsprodukte eingebaut, von denen zB Heizungen nur träumen können. Die Kohle haben wir hier vor Ort. Gas müssen wir importieren, entweder aus der russischen Tundra oder aus der arabischen Wüste oder als erdbebenlastiges Frackinggas aus den USA, mit dem Risiko, daß man uns den Hahn zudreht, oder immer tiefer in die Tasche greift (denn wir können uns nicht wehren). Der einzige Vorteil von Gaskraftwerken ist, daß man sie schneller als Kohlekraftwerke hoch- und runterfahren kann, also Lastspitzen besser abfangen kann. Aber für die Grundlast sind sie eher schlechter geeignet als Kohlekraftwerke.

  • 1 hø'ø 14.02.2019, 06:46 Uhr

    Solange es keine Pufferspeicher für die schwankende Leistung der erneuerbaren Energielieferanten gibt, solange wird es immer wieder zu Problemen mit der Stromversorgung kommen, wenn die Grundleistung durch AKW / Kohlekraftwerke fehlt. Gas kann als Grundlastlieferant keine Lösung sein, denn zum Einen entsteht bei der Verbrennung ja auch wieder Kohlendioxid, Stickstffoxide und andere unerwünschte Produkte, zum Anderen ist es teuer und nur durch Importe zu erhalten. Hier muß schleunigst gehandelt werden, bislang steckt hier auch die Forschung erst in den Kinderschuhen, von praxisreifen, effektiven Lösungen (Umwandlung in Wasserstoff und zurück ist nicht effektiv!) keine Spur. Wenn alle demnächst auf Elektrofahrzeuge umsteigen sollen, wird das Problem noch mehr verschärft.

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    • Friedrich 14.02.2019, 20:37 Uhr

      Vielleicht sollten sie sich mal nachlesen was es mit den zwei im Bau befindlichen Unterseekabel nach Norwegen auf sich hat. Norwegen erzeugt seinen Strom zu 95 % aus Wasserkraft. Und danach können sie gleich noch ein mal nachlesen was es mit Power-tu-Gas auf sich hat. Und wenn sie schon dabei sind dann können sie auch gleich nachlesen was ein Gezeitenkraftwerk ist. Und wenn sie das alles geschafft haben dann haben sie vielleicht begriffen das unsere Versorgungssicherheit der Zukunft schon längst in Bau und Planung ist.