NRW verfehlt eigene Wald-Ziele

29.08.2019, Sachsen-Anhalt, Eckertalsperre: Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten stehen im Nationalpark Harz

NRW verfehlt eigene Wald-Ziele

  • Wald in NRW in schlechtem Zustand
  • Land will 100 Millionen Euro zur Rettung ausgeben
  • Für die Umwelt - oder zur Rettung der Waldbauern?

Die vergangenen Hitzesommer und auch die heftigen Stürme haben dem Wald in NRW stark zugesetzt. Lange Trockenheit hat die Bäume geschwächt und dem Borkenkäfer so leichtes Spiel verschafft. Elf Millionen Fichten seien bereits vernichtet, sagt die Landesregierung.

Die schwarz-gelbe Landesregierung, die neuerdings auch auf das Thema Klimaschutz eingeschwenkt hat, will 100 Millionen Euro investieren, um den geschundenen Wald zu retten. Denn der, das hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gerade erst verkündet, sei als riesiger CO2-Speicher "Klimaschützer Nummer Eins".

Geld soll Waldbauern helfen

Doch geht es dem Land tatsächlich um den Erhalt dieses Ökosystems? Mehr als zwei Drittel des Waldes in NRW ist in Privatbesitz. Für diese privaten Waldbauern war der Verkauf von Holz bisher eine lukrative Einnahmequelle. Nun klagt der Waldbauernverband über massive Umsatzeinbußen.

Armin Laschet, Ministerpräsident NRW, am 26.09.2019 bei PK in Düsseldorf

Schwieriges Thema Wald: Ministerpräsident Laschet

Das Geld sei ein "praxistaugliches Unterstützungsangebot für Waldbesitzer", heißt es beim Land. Ministerpräsident Laschet hatte das am 26. September vor Journalisten in Düsseldorf noch einmal bestätigt: Es brauche "einen Anreiz", sagt er, "dass die Waldbauern jetzt massiv wieder anpflanzen".

Bundesamt für Naturschutz warnt

Dabei appelliert auch das Bundesamt für Naturschutz in einer aktuellen Stellungnahme eindringlich an die Politik, von der "bislang einseitig nutzorientierten Perspektive der Forstwirtschaft" abzurücken. "Der Anteil von Wäldern mit natürlicher, ungelenkter Waldentwicklung sollte schnell und signifikant erhöht und ihre Bedeutung auch für den Klimaschutz stärker anerkannt werden", heißt es.

Gemäß einer nationalen Strategie sollen bis 2020 fünf Prozent der Waldfläche als Naturwald belassen sein - also weitgehend ungestört durch den Menschen. Tatsächlich hatte die frühere Landesregierung beschlossen, dieses Ziel zu erreichen. Bislang seien es aber gerade mal 3,1 Prozent der gesamten Waldfläche, räumt das Umweltministerium auf Nachfrage ein - verweist aber auf die besonders hohe Bevölkerungsdichte in NRW und den großen Anteil an Privatwald.

Stefan Spinner, Revierförster von Wald und Holz NRW

Stefan Spinner, Revierförster im Klever Reichswald

Einer dieser geschützten Naturwälder ist der Klever Reichswald am Niederrhein. Auch hier sind viele Bäume eingegangen, rund 25 Hektar müssten aufgeforstet werden, sagt Stefan Spinner, Revierförster beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 15.000 Euro pro Hektar koste das, doch es fehle "Geld und Personal". Ob Laschets Geld zur Waldrettung auch hier ankommt, ist fraglich.

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Stand: 29.09.2019, 08:00