Großzügiges Gehalt für Chef der neuen Landesgesellschaft für Klima und Energie

Ulf Reichardt auf einer Pressekonferenz

Großzügiges Gehalt für Chef der neuen Landesgesellschaft für Klima und Energie

Von Tobias Zacher

Das Wirtschaftsministerium hat Ulf Christian Reichardt mit dem Aufbau einer neuen Landesgesellschaft beauftragt. Dessen Gehalt fällt üppig aus. Und es gibt noch mehr Kritik.

Der neue Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Klima und Energie, Ulf Christian Reichardt, erhält ein üppiges Gehalt, das in der Größenordnung mit den Bezügen eines Ministers vergleichbar ist. Das geht aus einer Antwort des NRW-Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Mehr als 200.000 Euro plus Dienstwagen

Demnach bekommt Reichardt ein Grundgehalt von jährlich 200.000 Euro. Zusätzlich erhält er eine jährliche Altersvorsorge von 24.000 Euro und einen Dienstwagen.

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Wibke Brems, kritisierte die großzügige Entlohnung: "Es ist unbestritten, dass Unternehmen in öffentlichem Besitz konkurrenzfähige Gehälter zur Privatwirtschaft bieten müssen", sagte sie dem WDR. "Es wirft allerdings Fragen auf, dass der neue Geschäftsführer einer Landesgesellschaft mit zunächst 20 Mitarbeitenden mutmaßlich nahezu so viel verdienen soll wie der Ministerpräsident.“ Die Landesregierung dagegen bezeichnete die Vergütung als "angemessen."

Die Organisation, die Reichardt derzeit aufbaut, wird wohl als privatwirtschaftliche GmbH geführt, die vollständig dem Land gehört und direkt dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist.

Reichardt war früher bei IHK Köln und Thyssenkrupp

Reichardt wurde Anfang März als Chef der Landesgesellschaft vorgestellt. Vorher war er als Hauptgeschäftsführer bei der IHK Köln tätig. Dort verdiente er rund 380.000 Euro im Jahr. Die Grünen fragten deshalb, ob die Vergütung Reichardts im neuen Job ähnlich hoch ist. Vor seiner Position bei der Kölner Kammer war Reichardt Manager bei Thyssenkrupp; er ist außerdem Honrarkonsul Frankreichs.

Die Frage nach dem Gehalt ist politisch brisant, weil Reichardts Landesgesellschaft neu an den Start geht und zugleich die "Energie-Agentur NRW" vom Wirtschaftsministerium bis Jahresende abgewickelt wird.

Pinkwart wünscht sich "schlagkräftige Organisation"

Für diese Entscheidung steht Wirtschafts- und Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) in der Kritik: Die Opposition wirft ihm vor, mit der "Energie-Agentur" eine unbequeme Institution mit jahrzehntelanger Erfahrung und hohem Ansehen loswerden zu wollen. Auch Wirtschaftsverbände aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, der Umweltschutzverband BUND oder der CDU-unterstützte Bürgermeister der Stadt Hattingen bedauerten die Auflösung der Energie-Agentur in verschiedenen Schreiben an die Landesregierung, die dem WDR vorliegen.

Pinkwart entgegnet auf die Kritik, er brauche für die Energiewende eine "schlagkräftige Organisation" - und die habe er bislang nicht. Die anstehende Energiewende sei ein "richtiger Kraftakt". Die neue Landesgesellschaft soll Anfang 2022 ihre Arbeit aufnehmen, mit der Entsprechung von zunächst 40 Vollzeitstellen. 20 davon stammen aus dem Think-Tank "In4Climate", der in der Landesgesellschaft aufgehen soll.

Online-Petition zum Erhalt der "Energie-Agentur NRW"

Unterdessen hat das "Klimabündnis Bielefeld" vergangene Woche eine Online-Petition für den Erhalt der "Energie-Agentur NRW" gestartet. Darin bezeichnet die Initiative die Agentur als "Rückgrat für den Klimaschutz im Land NRW". Ihre fachliche Expertise gehe verloren, "wichtige und bewährte Beratungsangebote fallen weg – alle Netzwerke, die gesamte Kontinuität", so die Petenten.

Aus für Energieagentur und die Folgen Lokalzeit Bergisches Land 29.03.2021 05:49 Min. Verfügbar bis 29.03.2022 WDR Von Helge Rosenkranz

Stand: 05.05.2021, 09:50