Landesentwicklungsplan: Beton gegen Natur

Wald, Baustelle

Landesentwicklungsplan: Beton gegen Natur

  • Landtag entscheidet über neuen Landesentwicklungsplan
  • Naturschützer befürchten mehr Flächenversiegelung
  • Ein Beispiel aus Marl zeigt den Konflikt

Marc Walden schätzt die zentrale Wohnlage in Marl - direkt neben einem Wald. Der Familienvater schwärmt von der Artenvielfalt im Naherholungsgebiet: Eichhörnchen, Specht und Uhu - mit diesen Tieren sollen seine Kinder aufwachsen. Der Wald neben dem alten Jahnstadion ist nicht nur ihm, sondern vielen Marlern ein wichtiger Erholungsraum.

Marc Walden im Gespräch mit Westpol

Marc Walden im Gespräch mit Westpol

Doch das Waldstück ist bedroht. Ein "Wohnbaugebiet für Besserverdienende" soll dort entstehen, klagt Christian Thieme von der Bürgerinitiative Marl-Hüls. "Und es sollen hier teilweise bis zu sechsstöckige Hochhäuser entstehen, 200 Wohneinheiten mit 300 Stellplätzen für Pkw." Dann sei es vorbei mit der Ruhe.

Neuer Landesentwicklungsplan

Was ist wichtiger: Wohnraum oder Wald? Wieviel Flächenverbrauch verträgt die Natur? Den landesweiten Rahmen, wer wo in NRW zu welchem Zweck in welchem Umfang bauen darf, gibt die Regierung mit ihrem Landesentwicklungsplan (LEP) vor. Die rot-grüne Vorgängerregierung hatte die Flächenversiegelung deutlich eingeschränkt.

CDU und FDP wollen dies rückgängig machen. Ihr neuer LEP hat bereits das Kabinett passiert. Das Parlament muss noch über das Gesetz abstimmen.

BUND: LEP ist Angriff auf Artenschutz

Für Christian Thieme von der BI Marl-Hüls ist der LEP "ein Freibrief für Kommunen, Unternehmer und Investoren, immer mehr Flächen zu bebauen". Und Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND NRW, sieht in ihm einen massiven Angriff auf den Naturschutz. Es komme zu einem Zielkonflikt: "Vermeintliche wirtschaftliche Entwicklung contra Arten und Naturschutz. Verlierer sind auf jeden Fall die Tiere und Pflanzen in unserem Land."

NRW baut sich zu

WDR 5 Politikum - Gespräch 08.02.2019 06:13 Min. Verfügbar bis 08.02.2020 WDR 5

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NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hingegen will mit dem neuen LEP den Kommunen Möglichkeiten geben, Wohnraum und Arbeitsplätze zu schaffen. "NRW ist im Flächenverbrauch im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr zurückhaltend", sagt der Minister. "Wir wollen Umwelt und Wirtschaft zusammendenken. Das dürfen keine Gegensätze sein."

Alternativen zur Versiegelung

Christian Thieme im Gespräch mit Westpol

Christian Thieme

Dirk Jansen vom BUND schlägt statt weiterer Versiegelungen vor, die vorhandenen Flächen besser zu nutzen. Zum Beispiel durch das Aufstocken von Gebäuden. Oder durch Umnutzungen von alten Gewerbeflächen.

Das wünschen sich auch Marc Walden und Christian Thieme, die Anwohner des Jahnstadionwalds in Marl-Hüls. Statt den Wald abzuholzen könne man auf dem alten Zechengelände Auguste Viktoria Wohnraum schaffen. Damit Familien, Specht und Uhu weiterhin ein naturnahes Zuhause haben.

Stand: 10.03.2019, 06:00