Kampagne soll Reisende wieder nach NRW locken

Naturpark Bergisches Land

Kampagne soll Reisende wieder nach NRW locken

Von Michael Hoverath

Der Lockdown hat den Tourismus auch in NRW hart getroffen. Hotels waren geschlossen, Geschäftsreisen fielen aus. Beim Neustart will die Landesregierung nun helfen.

Es sind massive Blockhäuser, die Jan Lehmann direkt am Nationalpark Nordeifel für Feriengäste gebaut hat. Unterhalb rauscht das Flüsschen Urft, dahinter liegt Schleiden-Gemünd. "Kontaktloser und sicherer Urlaub war hier eigentlich immer möglich", sagt Lehmann. Doch bis vor wenigen Tagen waren die Unterkünfte leer. Wegen Corona durfte er keine Gäste beherbergen. Sieben Monate waren es im vergangenen Jahr, sechs in diesem. Immerhin: Die Corona-Hilfsgelder haben Jan Lehmann vor der Pleite bewahrt.

Nicht nur ihn hat der Lockdown hart getroffen. Der gesamte Tourismus in NRW, der vor der Pandemie noch einen Umsatz von 30 Milliarden Euro erwirtschaftet und 468.000 Menschen beschäftigt hat, lag über fast ein Jahr am Boden. 2020 sank die Zahl der Gäste um 74 Prozent, von Januar bis April waren in Hotels sogar nur 14 von 100 Betten belegt.

Regionen stellen sich in Kurzfilmen vor

Damit es besser wird, will NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) nun helfen. “Sicher sehen wir uns wieder“ heißt die Kampagne, mit der der ihm unterstellte Tourismusverband wieder Urlauber nach Nordrhein-Westfalen locken will. Für jede Urlaubsregion werben Hoteliers, Gastronomen und ihre Stammgäste in kleinen Filmen, die über die Sozialen Medien verteilt werden können.

800.000 Euro stellt die Landesregierung aus einem Sonderbudget dafür zur Verfügung. "Die Zeichen stehen auf Erholung, sowohl für die Menschen als auch den gesamten Tourismussektor mit seinen 650.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", sagte Pinkwart am Mittwoch.

Marktforschung: Urlauber scheuen Auslandsreisen

Glaubt man den Marktforschern, hat die Branche im Land durchaus Grund zum Optimismus. Denn noch immer scheuen viele Urlauber Flugreisen ins Ausland, weil sie Probleme bei der Rückkehr befürchten. Für gut die Hälfte ist es wichtig, zur Not wieder schnell zu Hause zu sein, fast 70 Prozent wünschen sich hygienisch einwandfreie Zustände. Geringe Inzidenzwerte, wenig Kontakt zu anderen Menschen und eine Vertrautheit mit der Urlaubsregion sind weitere häufig genannte Kriterien. "Alles das können wir im Sauerland, Siegerland, der Eifel und den anderen Urlaubsregionen bieten", sagt Wirtschaftsminister Pinkwart.

Stadthotels bleiben noch leer

Anderen hingegen wird die Kampagne wenig bringen. Es sind die Stadthotels, die zum großen Teil noch geschlossen sind oder kaum Gäste begrüßen dürfen. Während sich die Eifel oder das Siegerland von der Krise deutlich erholen, liegen die Buchungszahlen in Düsseldorf, Köln oder Dortmund noch immer um die 75 Prozent unter den Corona-Werten. Messen und Konzerte gibt es noch nicht, Firmen haben Tagungen ins Internet verlegt. "Ein klares Konzept für die Stadthotellerie gibt es noch nicht“, räumt der Tourismusverband ein. Erholen werde sich diese Sparte wohl eher langsam.

Kampagne kommt zu spät

Jan Lehmann mit seinen Blockhäusern freut sich hingegen, seit wenigen Wochen wieder die ersten Gäste begrüßen zu dürfen. Meist sind es Familien und wanderbegeisterte Ehepaare. In den Sommermonaten sind seine Ferienhäuschen ausgebucht. Auch er stellt fest, dass seine Gäste weite Reisen noch scheuen und sich abseits der Großstädte mitten in der Natur einfach wohler fühlen. Die Tourismuskampagne hält er dennoch für fragwürdig. "Meine Kunden haben auch ohne die Filmchen gebucht“, sagt Lehmann.

Außerdem komme das Projekt ein bisschen spät, da kaum jemand erst jetzt mit dem Beginn der Sommerferien damit beginne, seinen Urlaub zu planen. Eine Kritik, die auch der Tourismusverband kennt. Früher habe man jedoch nicht starten können, da lange unklar gewesen sein, wann Übernachtungen wieder erlaubt seien. "Außerdem richtet sich die Kampagne schwerpunktmäßig nicht an Menschen aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch an den süddeutschen Raum, wo die Ferien erst später beginnen", sagt Heike Döll-König vom Tourismusverband.

Und wer es doch im Sommer nicht mehr nach NRW schafft - die Kampagne läuft noch die nächsten Monate und auch im Herbst und Winter kann man in NRW ja schön Urlaub machen.

Stand: 07.07.2021, 17:07