Künstliche Intelligenz, geprüft in NRW

Symbolbild künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz, geprüft in NRW

Selbstfahrende Busse oder medizinische Geräte, die Entscheidungen treffen: Künstliche Intelligenz ist fehleranfällig. Ein Prüfverfahren aus NRW soll sie sicherer machen.

Ob beim autonomen Fahren, bei der Nutzung von Sprachassistenten wie Siri oder Alexa, oder in der Medizin: Künstliche Intelligenz ist im Alltag gegenwärtiger, als viele denken. Doch das Misstrauen dagegen ist noch groß: Wie sicher kann ein selbstfahrendes Auto Fußgänger erkennen? Wie sicher richtig ist die Entscheidung einer Maschine in der Intensivmedizin?

"Viele Ängste und Unsicherheiten" seien noch mit Künstlicher Intelligenz (KI) verbunden, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Dienstag in Düsseldorf. Gleichzeitig soll KI aber beispielsweise beim autonomen Fahren, in der Medizin oder bei der Personalauswahl in Unternehmen den Menschen künftig monotone Arbeit und konzentrierte Entscheidungen abnehmen.

Keine KI ohne Kontrolle

Um mehr Vertrauen in diese "Schlüsseltechnologie der Gegenwart" zu erzeugen, brauche es zuverlässige Prüfverfahren, sagte Pinkwart. An einer solchen "KI-Zertifizierung made in Germany" arbeitet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) in Bonn. Beide unterzeichneten am Dienstag einen Kooperationsvertrag mit dem Wirtschaftsminister.

Auch in der IT-Sicherheit spiele die Verlässlichkeit Künstlicher Intelligenz eine große Rolle, erläuterte BSI-Präsident Arne Schönbohm: Über 1.000 Millionen Schadprogramme seien im vergangenen Jahr festgestellt worden, 300.000 neue pro Tag. KI könne helfen, Cyberangriffe zu verhindern - wenn sie selber sicher funktioniert. Zumal KI-Methoden zunehmend auch für "sicherheitskritische" Aufgaben eingesetzt würde. Ein Prüfsystem für Künstliche Intelligenz müsse daher auf einheitlichen und vergleichbaren Standards beruhen, sagte Schönbohm, "denn Akzeptanz entsteht durch Vertrauen".

Der erste hochautomatisierte, autonom fahrende Kleinbus im öffentlichen Straßenverkehr Berlins

Autonom fahrender Bus in Berlin

Anfang 2021 soll das Projekt "Zertifizierte KI" in NRW starten. Beteiligt sind außer BSI und Fraunhofer unter anderem Universitäten in Bonn, Köln und Aachen und das Deutsche Institut für Normung (DIN). Außerdem Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie Telekommunikation, Banken, Versicherungen, Chemie, und Handel, die KI bereits nutzen und ihre konkreten Bedarfe an Prüfverfahren definieren sollen.

Das Ganze sei keine "akademische Fingerübung", betonte Stefan Wrobel, Leiter des Fraunhofer-Instituts IAIS. Künstliche Intelligenz durchdringe bereits große Bereiche. Und schon jetzt gäbe es Fälle, in denen Unternehmen KI "überhastet" eingeführt hätten und nun vor existenzbedrohenden Fehlentwicklungen stünden.

NRW will bei KI weiter nach vorne

NRW sei bei der Entwicklung sicherer KI mittlerweile ganz weit vorne, schwärmte Wirtschaftsminister Pinkwart, und nannte auch das bereits existierende Projekt "GAIA-X", das an einer europäische Dateninfrastruktur als Alternative zu Amazon, Microsoft oder Google arbeitet. Fünf der 22 Gründungsmitglieder kommen aus NRW: Die Dortmunder Institute Fraunhofer ISST und International Data Spaces, die Deutschen Telekom, PlusServer aus Köln und Beckhoff Automation aus Verl. Jetzt komme mit der KI-Zertifizierung ein "Gütesiegel für vertrauenswürdige KI" dazu, ebenfalls mit Basis in NRW.

Stand: 24.11.2020, 12:43