Ungewollt kinderlose Paare fühlen sich benachteiligt

Mikroskopaufnahme: Ein Spermium wird mit einer Nadel in eine Eizelle gespritzt.

Ungewollt kinderlose Paare fühlen sich benachteiligt

  • Debatte über Regeln für Unterstützung von Paaren mit Kinderwunsch
  • Alter und Beziehungsstatus der Paare bisher entscheidend für Förderung
  • Mediziner fordern Kinderwunschbehandlung auch nach Erfolgschancen

Fast jedes zehnte Paar ist in Deutschland ungewollt kinderlos. Gesetzliche Krankenkassen bezahlen die Hälfte der Behandlungskosten für eine künstliche Befruchtung - für Ehepaare.

NRW wird ab Ende August in ein Förderprogramm des Bundes einsteigen, damit auch unverheiratete Paare gefördert werden. Dies kündigte Familienminister Joachim Stamp (FDP) in dieser Woche (01.-05.07.2019) an.

Strikte Altersgrenzen für Paare

Eine künstliche Befruchtung kann je nach Methode mehrere Tausend Euro kosten. Die Kassen fördern nur, wenn das Paar verheiratet ist, nur Ei- und Samenzellen des Paares verwendet werden, beide mindestens 25 sind, Frauen nicht älter als 39 und Männer nicht älter als 49 sind.

Jan Krüssel ist Reproduktionsmediziner an der Uniklinik Düsseldorf. Er versteht aus rein medizinischer Sicht nicht, warum die gesetzlichen Kassen die strikte Altersbegrenzung haben.

"Bei den Privaten gibt es auch keine Grenze", sagt Krüssel und schlägt vor, eine Bezuschussung von der "individuellen Erfolgswahrscheinlichkeit" abhängig zu machen. Diese müsse bei mindestens 15 Prozent liegen.

Erstmals Babys nach Genmanipulation geboren

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 26.11.2018 06:29 Min. Verfügbar bis 26.11.2023 WDR 5

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25 Wissenschaftler aus ganz Deutschland haben gerade ein gemeinsam erarbeitetes Papier der Politik überreicht. Jan Krüssel ist Mitautor.

Sie fordern, bestimmte gesetzliche Grundlagen zur künstlichen Befruchtung der Lebenswirklichkeit und den medizinischen Möglichkeiten anzupassen. Zum Beispiel sollten gesetzliche Krankenkassen ihre finanzielle Hilfe nicht länger vom Familienstand abhängig machen.

Immer mehr unverheiratete Paare

Paare mit Kinderwunsch, die nicht in die Norm passen, fühlen sich ungerecht behandelt. Auch in Nordrhein-Westfalen sind immer weniger Paare verheiratet. Innerhalb von nur zwölf Jahren ist die Zahl der Unverheirateten, die zusammenleben, um mehr als 35 Prozent gestiegen.

Mit dem speziellen Förderprogramm des Bundes, dem NRW nun beitritt - werden zwar auch Paare ohne Trauschein bei einer künstlichen Befruchtung unterstützt. Die Erfahrung aus anderen Bundesländern zeigt: Ehepaare erhalten aus diesen Mitteln allerdings doppelt so viel Geld.

Forderung nach Gleichstellung

Marcel Hafke, FDP

FDP-Politiker Marcel Hafke

Die FDP fordert seit Jahren, dass alle Paare in Deutschland bei einer Kinderwunschbehandlung gleich unterstützt werden - bisher ohne Erfolg. Marcel Hafke, Landtagsabgeordneter und FDP-Familienexperte verspricht: "Wir werden Druck ausüben mit Initiativen, damit das endlich geändert wird."

Auch Sigrid Graumann, Mitglied im Deutschen Ethikrat fordert eine Förderung des Kinderwunsches - "unabhängig von der Familienform".

Stand: 07.07.2019, 06:30