Etwas weniger Straftaten gezählt, aber mehr Sexualdelikte gegen Kinder

Stand: 21.02.2022, 15:32 Uhr

1,2 Millionen Straftaten wurden im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen erfasst - das ist ein leichter Rückgang gegenüber 2020. Einen Anstieg gab es bei der sexuellen Gewalt gegen Kinder.

Von Martin Teigeler

Die Zahl der Straftaten in NRW lag 2021 laut Landesregierung bei rund 1,2 Millionen Delikten. Das sei ein Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Montag in Düsseldorf. Zum sechsten Mal in Folge sei die Kriminalität in NRW gesunken - laut Reul auf den niedrigsten Stand seit 1985.

Anstieg bei Sexualdelikten gegen Kinder

Herbert Reul gibt ein Statement zu den Ermittlungen nach einem Polizeieinsatz an der Synagoge in Hagen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Bei der von der Polizei sogenannten "Kinderpornographie" (plus 137,2 Prozent) und beim sexuellen Missbrauch von Kindern (plus 23,2 Prozent) sind die Fallzahlen angestiegen. "Dieser Zuwachs ist ungeheuer erschreckend", sagte Reul. Er gab an, der Anstieg habe auch damit zu tun, dass die Polizei mehr ermittele: "Wir suchen mehr, wir finden mehr." Der Minister ging sogar so weit, die Zuwachszahlen als "Leistungsquote der Polizei" zu bezeichnen.

Mehr Cybercrime-Delikte

Im Bereich Cybercrime gab es den Angaben zufolge erneut einen starken Anstieg. So ist die Computerkriminalität demnach 2021 um 24 Prozent auf rund 30.115 Fälle gestiegen. "Die Kriminalitätsverschiebung in den digitalen Raum - verstärkt durch die Pandemie – wird auch nach der Pandemie nicht zu stoppen sein", so Reul.

Weniger Morde, mehr Geldwäsche

Bei Geldwäsche und illegalem Glücksspiel vermeldete das Innenministerium einen Zuwachs von 138 beziehungsweise 295 Prozent. "Geldwäsche und Glücksspiel sind die klassischen Betätigungsfelder der Organisierten Kriminalität – sowohl von Clankriminellen als auch der Mafia", sagte Reul.

Mit landesweit 308 Fällen von Mord und Totschlag wurde nach Angaben des Innenministeriums ein Zehn-Jahres-Tief erreicht und im Vergleich zu 2020 ein Minus von 17,2 Prozent. Rückläufig ist auch die Zahl der Wohnungseinbrüche (18.576, minus 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Bei der Straßenkriminalität und Raubdelikten gab es ebenso Rückgänge.

Kritik an unvollständiger Statistik

2021 klärte die Polizei nach eigenen Angaben 53,6 Prozent aller Fälle auf: Das sei ein leichtes Plus von 0,8 Prozentpunkten, so Reul bei der Vorstellung der offiziellen Kriminalitätsstatistik. Das Zahlenwerk listet die bekanntgewordenen Straftaten auf. Wie groß das Dunkelfeld ist, bleibt offen.

Der SPD-Innenexperte Hartmut Ganzke forderte: "NRW muss einen regelmäßigen Periodischen Sicherheitsbericht für Nordrhein-Westfalen einführen, der hier mehr Licht ins Dunkel bringt." Bei besserer Kenntnis der tatsächlichen Fakten könne man künftig gezielter gegen Kriminalität vorgehen. Der Innenminister und die schwarz-gelbe Koalition aber ruhten "sich auf einer Faktenlage aus, die unvollständig ist. Im Interesse eines umfassenden Sicherheitskonzepts ist das nicht".

Auch Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, sagte: "Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik ist zu eng gefasst und geht uns nicht weit genug. Wir wollen, dass es objektiver wird, indem man Wissenschaft mit hinzu zieht, das Dunkelfeld auch mit zu bewerten, um rundum einen besseren Blick auf das Kriminalitätsgeschehen zu bekommen."

Weitere Themen