Mehr Gewalt durch Flüchtlinge?

Vier Männer sitzen vor einem Container auf dem Geländer einer Flüchtlingsunterkunft

Mehr Gewalt durch Flüchtlinge?

Von Nina Magoley

  • Studie: Gewaltkriminalität mit der Zahl der Flüchtlinge gewachsen
  • Forscher untersuchen Fallzahlen für Niedersachsen
  • NRW-Minister Stamp: Könnte auch für NRW gelten

Die vom Kriminalwissenschaftler Christian Pfeiffer geleitete Studie beschränkt sich auf Niedersachsen. Laut dortiger Kriminalstatistik stieg die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttaten in dem Bundesland zwischen 2014 und 2016 um 10,4 Prozent.

Dieses Plus sei zu mehr als 90 Prozent den Flüchtlingen zuzurechnen, heißt es in der am Mittwoch (03.01.2018) veröffentlichten Studie.

Wie erklärt sich der Anstieg?

Allerdings warnen die Autoren zugleich vor einer pauschalen Verurteilung: Der höhere Anteil an Straftaten durch Flüchtlinge sei auch damit zu erklären, dass es sich hier größtenteils um junge Männer in einem Alter handele, in dem Menschen generell verstärkt straffällig würden.

Begünstigt werde dieser Kriminalitätstrend aber dadurch, dass weniger als ein Viertel der Flüchtlinge in Niedersachsen Frauen sind. Die "gewaltpräventive, zivilisierende Wirkung, die von Frauen ausgeht", fehle daher häufig. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass Flüchtlinge, die reale Chancen auf ein Bleiberecht haben, wesentlich seltener straffällig werden als andere, denen die Abschiebung droht.

Flüchtlinge: Wer Perspektiven hat, wird seltener kriminell

WDR 2 | 03.01.2018 | 04:00 Min.

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Träfe die Studie auch auf NRW zu?

Noch gibt es für 2017 keine Zahlen zu Gewalttaten in NRW. Dennoch geht NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) auf WDR-Anfrage davon aus, dass das niedersächsische Bild auch für NRW gelten kann. Es gebe ein "Kernproblem mit alleinreisenden jungen Männern" aus patriarchal geprägten Ländern.

Welche Maßnahmen fordert der Integrationsminister?

Joachim Stamp (FDP), Integrationsminister NRW

Integrationsminister Stamp im WDR-Interview

Stamp fordert ein Einwanderungsgesetz, das "zwischen den verschiedenen Migrantengruppen unterscheidet": Zwischen Kriegsflüchtlingen, politisch Verfolgten und denen, "die als echte Einwanderer kommen wollen". Wer nicht bleiben kann, müsse "ganz konsequent" zurückgeführt werden.

Wenn man einmal sicher sei, dass "diejenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten, auch wieder rausfliegen", dann könnte man auch großzügiger sein, sagt der Minister - und mit Flüchtlingen, die bereit seien, zu arbeiten, Fachkräfte-Lücken bei den Unternehmen füllen.

Familiennachzug als Lösung?

Von dem von Kriminalwissenschaftler Pfeiffer geratenen Familiennachzug, der hier allein lebende Männer befrieden soll, hält Stamp wenig: Das helfe nur, wenn man den Familien dann auch ausreichend Wohnraum und Kitaplätze anbieten könne. Diejenigen, die jetzt bereits Arbeit und Wohnraum haben, könnten ihre Familie nachholen, findet Stamp. Familiennachzug in die ohnehin beengten Flüchtlingsunterkünfte aber lehne er ab.

Stand: 04.01.2018, 12:59