Gutachten: Spezial-Kliniken besser als Rundum-Krankenhäuser

Operationssaal

Gutachten: Spezial-Kliniken besser als Rundum-Krankenhäuser

  • Experten: NRW-Krankenhäuser sollen sich spezialisieren
  • Gutachten im Auftrag des Gesundheitsministeriums
  • Kritik vom Städtetag und Betreibern

Blinddarm-, Knie- oder Herz-Operationen - in NRW gibt es viele Kliniken, die auch viele Leistungen anbieten. Das bedeutet aber nicht, dass sie gute Qualität abliefern. Deswegen empfehlen Experten eine Kehrtwende in der Krankenhausplanung: Die Krankenhäuser sollen sich spezialisieren.

Diese Empfehlung ist ein Ergebnis eines Gutachtens, das das NRW-Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben hatte und am Donnerstag (12.09.2019) vorgestellt wurde. NRW-Gesundheitsminister Laumann plant Strukturveränderungen im großen Umfang, ein entsprechender Krankenhausplan soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden.

These: Viele Krankenhäuser haben zu wenig Routine

Hodnik u jednoj klinici i medicinsko osoblje pri dnu hodnika

Weniger Krankenhäuser, mehr Qualität?

Hinzu kommt dem Gutachten zufolge, dass etliche Kliniken Eingriffe anbieten, in denen sie wenig Praxis haben. So habe es 2017 in NRW mehr als 30.000 Operationen für Kniegelenk-Prothesen an 233 Krankenhäusern gegeben. Mehr als die Hälfte dieser Eingriffe sei aber in Häusern erfolgt, die weniger als 100 solcher Fälle im Jahr hätten. "Das sind im Schnitt nicht einmal zwei Operationen pro Woche", sagte Laumann.

Viele Krankenhäuser in Ballungszentren

Hintergrund: Es gibt derzeit rund 340 Krankenhäuser mit insgesamt mehr als 118.000 Betten. Nicht nur, dass sie ungleichmäßig verteilt sind: Ländliche Gebiete sind zum Teil unterversorgt, das Rhein-Ruhr-Gebiet etwa überversorgt.

Krankenhäuser sollen sich anders aufstellen

Die Autoren empfehlen zwar nicht ausdrücklich die Schließung von Kliniken, fordern aber eine komplett neue Planungsstruktur. So solle künftig nicht mehr die Bettenzahl als Richtgröße dienen. Vielmehr sollten die Krankenhäuser in Leistungsbereiche eingeteilt werden.

Damit würden sich einzelne Kliniken dann auf Leistungen wie etwa Blinddarm- oder Hüftoperationen spezialisieren. Weiterhin solle aber der Grundsatz gelten, dass jeder Bürger in NRW bei Notfällen innerhalb von 30 Minuten ein Krankenhaus erreichen können muss, sagte Laumann.

Kritik an Vorstößen

Während CDU-Gesundheitsexperte Peter Preuß die Schlussfolgerungen aus dem Gutachten begrüßte, hält der Städtetag sie für voreilig: Siedlungsstruktur, Krankenhausdichte und Verkehrsanbindungen seien so heterogen, dass erste Erkenntnisse erst nach einem fundierten Planungsprozess vorliegen könnten.

Vor einigen Wochen hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie zur Krankenhausversorgung vorgelegt, in der sie zum Beispiel eine Reduzierung der Krankenhäuser in der Region Köln vorschlug. Die Krankenhausgesellschaft NRW hielt das für zu teuer und wegen kartellrechtlicher Bedenken nicht für machbar.

Stand: 12.09.2019, 18:07