NRW-Wirtschaft wächst - wenn auch langsam

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NRW-Wirtschaft wächst - wenn auch langsam

Von Nina Magoley

  • Konjunktur in NRW ist stabil
  • Wirtschaftsminister Pinkwart legt Konjunkturbericht vor
  • Duale Ausbildung kann mehr Einkommen bedeuten als Abitur

Die Zahlen, die NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag (25.11.2019) mit dem jüngsten Konjunkturbericht des Rheinisch Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) vorlegte, sollen Entwarnung geben: "Die Rezessionsgefahr in NRW", sagte Pinkwart, "ist gebannt". Noch in der ersten Jahreshälfte war die Entwicklung fast zum Stillstand gekommen.

Dem Bericht nach wird die Wirtschaftsleistung in NRW 2019 um 0,3 Prozent zulegen - nur knapp unter dem Schnitt von 0,4 Prozent Wachstum, den die Wissenschaftler für den Bund errechnet haben. Die Zahl der Beschäftigten steige in diesem Jahr mit 1,9 Prozent - 120.000 neue Stellen - sogar stärker als bundesweit gesehen, wo der Bericht nur auf 1,5 Prozent kommt.

Keine Rezession: Deutsche Wirtschaft wächst wieder

WDR 5 Profit - aktuell 14.11.2019 02:57 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR 5

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Im nächsten Jahr soll sich das Wachstum allmählich weiter beleben, für 2020 errechnen die Forscher 0,8 Prozent Zuwachs - was aber auch daran liege, dass das Jahr 2020 mehr Arbeitstage hat, heißt es im Bericht. Wachstumsmotor seien vor allem die Bauwirtschaft und das Dienstleistungsgewerbe.

Trumps Politik und Brexit sorgen für Exportrückgänge

Bei einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) NRW hätten 88 Prozent der Unternehmen angegeben, es gehe ihnen "gut", bestätigte IHK-Landespräsident Thomas Meyer. Allerdings: Zu Beginn des Jahres waren es noch 90 Prozent. Vor allem die Rückgänge in den Exportgeschäften machten sich bemerkbar. Gründe dafür seien vor allem die Politik des US-Präsidenten Trump, aber auch die mit dem Brexit verbundenen Unwägbarkeiten.

Zudem leidet dem Konjunkturbericht zufolge die Autoindustrie massiv. Der Dieselskandal und der Trend zur E-Mobilität sorgen für Einbrüche nicht nur bei den Herstellern, sondern auch bei deren Zulieferern. In der Branche arbeiten in NRW derzeit 200.000 Menschen in rund 800 Betrieben.

Fachkräftemangel wächst

Ein Riesenproblem, das immer weiter wachsen werde, sei der Fachkräftemangel, sagte Meyer. Fast 450.000 fehlen bereits jetzt, vor allem bei beratenden Dienstleistungsunternehmen, aber auch in der Chemie- und Pharmaindustrie oder im Maschinenbau. Fast zwei Drittel der Unternehmen hätten angegeben, wegen fehlender Fachkräfte nicht so wachsen zu können, wie es die Auftragslage hergebe, sagte der IHK-Präsident. Seine Forderung an die Politik: "Die Fachkräftezuwanderung muss verbessert werden."

Das das notwendig sei, bestätigte auch RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Ab spätestens 2024 sinke die Zahl der Menschen in NRW, die überhaupt arbeiten können, kontinuierlich. Schon jetzt liege die Erwerbsquote hierzulande unter dem Bundesdurchschnitt. "Und wir werden weniger", so Döhrn.

Duale Ausbildung ertragreicher als Abi?

IHK-Chef Meyer plädierte schließlich dafür, darüber aufzuklären, dass ein Abitur heutzutage "nachweislich" keine besseren Einkommenschancen für die Zukunft bedeute. Nach einer dualen Ausbildung - also Ausbildung und Studium in Kombination - verdiene man später durchschnittlich mehr als mit einem Hochschulabschluss, so Meyer. Wer sich in einem handwerklichen Beruf mit einer dualen Ausbildung bewerbe, habe das Handwerk "von der Pike auf gelernt" und könne zusätzlich das theoretische Wissen anbieten.

Stand: 25.11.2019, 15:07