Was hilft dem Wald im Klimastress?

Ein vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald

Was hilft dem Wald im Klimastress?

Von Nina Magoley

  • Konferenz zum "Wald im Klimastress" in Düsseldorf
  • Waldbauern und Wissenschaftler diskutieren mit Politikern
  • Mehr Geld für Aufforstung gefordert

Der Wald ist im Klimastress - und die Waldbauern sind es auch. Nach zwei heißen und trockenen Sommern haben sich die Wälder in NRW besorgniserregend gelichtet. Der Waldbauernverband NRW fürchtet um die Existenz seiner Mitglieder, die bislang vom Handel mit Holz lebten.

In Düsseldorf traf sich daher am Montag (11.11.2019) NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) mit Vertretern der Waldwirtschaft und mit Wissenschaftlern, die das Waldsterben und die richtigen Maßnahmen dagegen erforschen.

Spagat zwischen Wirtschaft und ökologischer Zukunft

Beiden Seiten gerecht zu werden, das wurde beim Auftakt der Konferenz deutlich, ist keine einfache Aufgabe. Die Wälder seien "Kathedralen des Klimaschutzes" stellte Heinen-Esser fest, ihre Leistungen müssten "viel stärker als bisher anerkannt werden".

Gleichzeitig appellierten die privaten Waldbesitzer an die Landesregierung: Mindestens zehn Jahre lang bräuchten sie finanzielle Förderung und "Planungssicherheit", so Ute Kreienmeier, Geschäftsführerin des Gemeindewaldbesitzerverbands NRW.

Stadtgespräch aus Netphen: Waldsterben 2.0

WDR 5 Stadtgespräch 17.10.2019 55:52 Min. Verfügbar bis 16.10.2020 WDR 5

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Freiwilliger Waldfonds für CO2-Sünder

Die Landesregierung wolle die Einrichtung eines NRW-Waldfonds prüfen, der aus freiwilligen Einzahlungen von Unternehmen und Privatpersonen gespeist werden soll, erklärte die Umweltministerin. Auch öffentliches Geld - zum Beispiel die von NRW-Behörden geleisteten Zahlungen zur CO2-Kompensation von Dienstreisen - könnte dort einfließen.

Mit dem Geld aus diesem freiwilligen Fonds und der sogenannten "Baumprämie", die Unternehmen bezahlen sollen, die besonders viel CO2 produzieren, will die Landesregierung die Aufforstung der angeschlagenen Wälder finanzieren.

Zusätzlich haben Land und Bund zusammen neun Millionen Euro für die Aufbereitung der schon entstandenen Schäden bereitgestellt. 100 Millionen Euro sollen in den kommenden zehn Jahren für die Wiederbewaldung verfügbar sein.

"Niemand hat zugehört"

Wissenschaftler fordern dagegen zunehmend, den Wald sich selber regenieren zu lassen, anstatt jetzt vermeintlich klimaresistente Bäume wie die nordamerikanische Douglasie zu importieren, deren Zukunft ebenfalls ungewiss sei.

Umweltministerim Heinen-Esser mit Wisenschaftler Hans Joachim Schellnhuber

Umweltministerin Heinen-Esser mit Wisenschaftler Schellnhuber

Schon vor 20 Jahren hätten Wissenschaftler eine dynamische Veränderung der Wälder durch den Klimawandel prophezeit, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Professor und ehemaliger Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Doch damals habe "niemand zugehört".

"Besonders die Waldbesitzer waren nicht daran interessiert", fügte er hinzu. Wenn man die Wälder künftig noch "nutzen" wolle, müsse eine "Mosaikstruktur" das Ziel sein: "Mini-Dschungel", in denen der Wald sich selbst regenerieren kann, im Wechsel mit intensiver Bewirtschaftung durch den Menschen.

Stand: 11.11.2019, 14:39