Dortmunderin Lina Ammor - zwischen Showbusiness und Kommunalpolitik

Dortmunderin Lina Ammor - zwischen Showbusiness und Kommunalpolitik

Von Anastasia Mehrens

  • Nur wenige Frauen sitzen in Kommunalparlamenten
  • Der Frauenanteil unter jungen Politikern liegt bei 25 Prozent
  • In der Kommunalpolitik herrscht ein konservatives Rollenbild  

Auf der Bühne und im Büro, im strengen Businessoutfit und im ausgefallenen Pailletten-Kleid – als Sängerin und Politikerin hat Lina Ammor ein Leben voller Kontraste. Bis vor kurzem war die 28-Jährige das jüngste Mitglied im Gevelsberger Rat. Als Sängerin tritt sie in Clubs und bei privaten Veranstaltungen in Deutschland und im Ausland auf.

Die Musik hat Lina Ammor im Blut. Schon ihre Großmutter hat in der ersten Girlgroup in Marokko gespielt. Da kommen die Eltern der 28-Jährigen her. Doch ihre Tochter wollten sie nicht nur auf der Bühne sehen. In der Schule entwickelte Lina Ammor großes Interesse an Geschichte und Politik und entschied sich danach für ein Studium der Politikwissenschaften.

Politik vor der Tür

Damit es nicht nur theoretisch bleibt, fing sie an, als wissenschaftliche Mitarbeiterin einen SPD-Bundestagsabgeordneten zu unterstützen. Auch heute noch arbeitet sie in seinem Büro in Hagen und kümmert sich um Fragen rund um Asylpolitik.

Lokale Themen reizen sie aber auch: "Was ich bei der Kommunalpolitik so toll finde, ist, dass es nicht so abstrakt ist. Das ist wirklich vor der Tür: Du kannst mitentscheiden, was mit deinem Stadtbad oder deiner Bibliothek passiert oder welche Kulturprogramme weitergeführt werden sollen."

Wenig Verständnis für junge Politiker

Mit 23 ist Lina Ammor auch selbst in die SPD eingetreten. Schon ein Jahr später saß sie im Gevelsberger Rat. Junge Politiker haben es nicht leicht, sagt sie. "Einerseits wird immer gemeckert, dass es nicht genug junge Menschen in den Parteien gibt. Andererseits, wenn junge Menschen sich engagieren, wird dann oft auf sie mit dem Finger gezeigt: Sie beteiligen sich nicht, sie investieren nicht genug Zeit, man kann sie nicht ernst nehmen. Dass man noch studiert, Prüfungen hat, seinen Freundeskreis pflegt und am Wochenende vielleicht seine Familie sehen möchte – dafür hat man kein Verständnis."

Konservatives Rollenverständnis in Parlamenten

Sie kennt es, wegen ihres Alters in Schubladen gesteckt zu werden – aber auch wegen ihres Geschlechts. "Ich musste mir schon anhören, dass ich nur etwas erreicht habe, weil ich eine Frau bin. Es ist immer ein bisschen so, dass Frauen nur gut aussehen und die Frauenquote erfüllen müssen und nicht mit ihrem Talent und Wissen etwas bewirken."

Von solchen Äußerungen lässt sie sich nicht beeindrucken und ist überzeugt, dass die Kommunalpolitik mehr junge Frauen braucht: "Viele Sachen können dann feinfühliger gesehen und verändert werden."

Neuer Anfang in Dortmund 

Vor drei Monaten ist Lina Ammor von Gevelsberg nach Dortmund gezogen. Hier hat sie sich direkt einem SPD-Ortsverein angeschlossen. Ihr neues Ziel ist ein Mandat in Dortmund: "Viele sagen, als einzelner Mensch kannst du nicht viel bewegen. Aber ich finde es trotzdem besser, dass man als einzelner Mensch seine Werte und seine Gedanken und Ideen irgendwie weitergibt, als wenn man es einfach in sich drin hält".

Stand: 27.09.2018, 13:55

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