Kaum Frauen in den Räten

Elisabeth Voss

Kaum Frauen in den Räten

Von Heike Zafar

In den Räten der Städte und Gemeinden des Münsterlandes sitzen noch immer viel zu wenig Frauen. So besteht zum Beispiel der Rat in Heek aus 27 Männer und nur zwei Frauen. Eine von ihnen ist Elisabeth Voss. Die Anästhesie-Krankenschwester ist 63 Jahre alt und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

WDR: Frau Voss, Sie sind eine von gerade mal zwei Ratsfrauen in Heek. Wie fühlen Sie sich denn unter all den Männern?

Elisabeth Voss: Es wäre natürlich schön, wenn wir mehr Frauen und auch noch jüngere Frauen im Rat hätten, um alle Schichten vertreten zu haben. So holen wir uns die Informationen zum Beispiel über die Situation in den Kindergärten von außen. Ich bin froh, dass wir Frauen in den Ausschüssen haben,  zum Beispiel im Schulausschuss. Die haben die Verbindungen zu Nachbarn und Freundinnen und wir können so die Probleme aufgreifen, die es in der Gemeinde gibt.

WDR: Warum sitzen denn so wenig Frauen im Rat?

Voss: Ich weiß von vielen Frauen, dass ihnen die Zeit fehlt. Die Frauen haben ja Familie, viele sind jetzt Vollzeit im Beruf und dann das Privatleben und das Ehrenamt. Hier im ländlichen Bereich haben wir viele Frauen in den Sportvereinen, in den Chören und bei den Landfrauen,  und die würden es nicht schaffen, auch noch in der Politik zu arbeiten. Natürlich sind da auch die Ratssitzungen in den Abendstunden, die nach hinten offen sind. Das ist auch für manche Frau nicht ganz einfach.

WDR: Aber Männer haben doch auch Familie, Kinder, Beruf und Ehrenamt. Warum fällt es denn Frauen schwerer?

Voss: Ich will nicht sagen, dass die Männer sich nicht verantwortlich fühlen für ihre Kinder, aber ich glaube schon, dass man als Mutter doch mal schneller zu Hause bleibt.

WDR: Und wie würden Sie Frauen motivieren, sich in den Räten zu engagieren?

Voss: Die Frauen sollten ihre Hemmschwelle überwinden. Und es vielleicht so machen, wie es bei mir war. Dass man im kleinen Bereich anfängt, etwa langsam als sachkundige Bürgerin einsteigt. So kann man sehen, wieviel Arbeit das ist. Und Frauen sollten vielleicht auch schneller "ja" sagen. Das heißt, nicht erst überlegen "Kann ich das?"

WDR: Wie sind Sie denn selbst in die Politik gekommen ?

Voss: In meiner Familie zuhause, da wurde immer schon über Politik geredet. Mein Onkel war Stadtdirektor, und wenn er zu Besuch kam, war der erste Satz: "Wie geht’s euch?" Und der zweite Satz war Politik. Ich bin dann vor 25 Jahren eingestiegen als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss. Und da habe ich gemerkt, dass man damit in Heek was bewegen kann.

 WDR: Zum Beispiel?

Voss: Im Moment planen wir zum Beispiel einen neuen Kindergarten. Es wird der erste nicht-konfessionelle Kindergarten in Heek. Und das ist für uns neu, aber es ist auch sehr spannend.

Das Interview führte Heike Zafar.

Stand: 09.08.2019, 16:13