Fall Lügde: Braucht NRW eine Kinderschutz-Kommission?

Möglicher Tatort ist ein Campingplatz

Fall Lügde: Braucht NRW eine Kinderschutz-Kommission?

  • Missbrauchsbeauftragter regt Bildung einer Kommission an
  • Minister Stamp will mit Experten Maßnahmen erörtern
  • Personalbedarf in Jugendämtern soll geprüft werden

Der massenhafte sexuelle Machtmissbrauch gegen mindestens 23 Kinder auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) erreicht nun die Landespolitik.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) kündigte am Donnerstag (31.01.2019) im WDR an: "Wir müssen sehen, was systematisch verbessert werden muss." Dafür werde er sich zügig mit Experten zusammensetzen und Konsequenzen erörtern.

Stamp räumte auch ein, dass es möglicherweise zu wenig Personal in den Jugendämtern gibt. Darum soll nun der Bedarf vor Ort überprüft werden. Die Zuständigkeit für diese Behörden liege bei den Kommunen. Er ergänzt aber auch: "Das lässt uns nicht aus der Verantwortung", das Land habe in dem Bereich eine Kontrollfunktion.

Vorbild Baden-Württemberg

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig hatte am Donnerstag im WDR angeregt, eine Kinderschutz-Kommission in NRW einzusetzen.

Vorbild ist eine Kommission in Baden-Württemberg, sie wurde nach einem Missbrauchsfall im badischen Staufen gebildet. Sie habe den Fall "sehr genau betrachtet" und so herausgefunden, "wo eine Kommunikation zwischen einzelnen Behörden nicht stattgefunden hat".

"Transparenz schaffen" im Kindesmissbrauchsfall Lügde

WDR 5 Morgenecho - Interview 31.01.2019 05:41 Min. Verfügbar bis 31.01.2020 WDR 5

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Joachim Stamp kann sich für NRW auch eine dauerhafte Kommission vorstellen, die in Zusammenarbeit mit den Kommunen aktiv wird, sagte er im WDR. Aber zunächst wolle er mit Experten mögliche Maßnahmen erörtern.

Schlüsselfunktion der Länder

Ausgehend vom Fall in Staufen hat der Missbrauchsbeauftragte Rörig eine Liste mit 20 Empfehlungen für Bund, Länder und Kommunen zusammengestellt. Sie soll helfen, den Schutz von Kindern vor sexuellem Machtmissbrauch zu verbessern. "Die Länder nehmen hierbei eine zentrale Schlüsselfunktion ein."

Zu den Empfehlungen gehören unter anderem diese Maßnahmen:

  • Analyse des Personalbedarfs in den Jugendämtern und Aufstockung
  • Bessere Bezahlung der sozialpädagogischen Dienste
  • Fachberatungsstellen einrichten, auch im ländlichen Raum
  • Fortbildungspflicht für Richter
  • Mehr Personal für Strafverfolgungsbehörden
  • Vorratsdatenspeicherung prüfen
  • Meldepflicht für Internet-Provider
  • Spezialisierung der Versorgungsämter und Sozialgerichte
  • Flächendeckende Trauma-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche
  • Amt eines Missbrauchsbeauftragten auf Landesebene

Stand: 31.01.2019, 14:54