NRW-Schulministerin Gebauer spricht bei einer Pressekonferenz.

Kommentar: Gebauer ist als Schulministerin in der Pandemie ungeeignet

Stand: 26.01.2022, 17:28 Uhr

Lehrer und Eltern ärgern sich über die sehr kurzfristige Umstellung des Corona-Testverfahrens für Grundschüler. Hat NRW noch die richtige Schulministerin? Ein Kommentar.

Von Arne Hell

Oh ja, Schulministerin sein in Pandemiezeiten, das ist extrem undankbar. Und wer weiß, vielleicht wäre Yvonne Gebauer ja in anderen, in „normalen“ Zeiten, eine richtig gute Schulministerin. Jetzt, in der Pandemie, ist sie es offensichtlich nicht.

Arne Hell

Arne Hell, WDR Landespolitik

Die Umstellung des Testverfahrens an den Grundschulen diese Woche hat das wieder einmal gezeigt. Anstatt Lehrerinnen und Lehrer und auch die Eltern mitzunehmen, vorzubereiten und in Entscheidungen einzubinden, bekommen alle Beteiligten wieder einmal alles in letzter Sekunde vor den Latz geknallt. Die Schulleitungen durften am Abend aus den Medien erfahren, wie es laufen soll. Erst um 22 Uhr bekamen sie dann die offizielle Anweisung aus dem Ministerium. Wie oft ist das jetzt eigentlich schon genauso gelaufen?

Lehrer und Eltern werden allein gelassen

Das Problem ist nicht, DASS das Testverfahren geändert wurde. Das ist zwingend nötig. Die flächendeckenden PCR-Tests bei allen Grundschülerinnen und -schülern sind jetzt bei Omikron nicht mehr zu schaffen. Sie werden woanders dringender gebraucht. Bei Kindern ist das Risiko, schwer zu erkranken, extrem gering. In den Pflegeeinrichtungen ist es nach wie vor hoch.

Halbjahreszeugnis für die NRW-Schulpolitik

WDR RheinBlick 28.01.2022 28:34 Min. Verfügbar bis 28.01.2023 WDR Online


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Coronatests in der Grundschule Bonifatiusschule in Düsseldorf

Grundschüler beim PCR-Lollitest

Nein, das Problem ist, wieder einmal, wie Gebauer ihre Entscheidung vorbereitet und mitgeteilt hat – und wie wenig sie sich offenbar dafür interessiert, wie die Umsetzung vor Ort konkret ablaufen soll. Damit werden dann wieder Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern allein gelassen.

Realitätsverweigerung, bis es nicht mehr geht

Dass die PCR-Tests knapp werden, das konnte man vor zwei Wochen schon absehen. Doch anstatt die Umstellung schon mal anzukündigen und die Schulen und die Eltern darauf einzustimmen, hat die Ministerin, wieder einmal, bis zum letzten Moment gewartet. Sonst hätte sie ja öffentlich zugeben müssen, dass ihre Erzählung von den ach so sicheren Schulen in NRW, vom deutschlandweit einzigartigen Testkonzept, nicht mehr zu halten ist. So ähnlich war es auch schon bei der Maskenpflicht. Die schaffte Gebauer in den Schulen ab, obwohl die Infektionszahlen schon stiegen und musste sie dann hopplahopp wieder einführen, als die Zahlen durch die Decke gingen. Realitätsverweigerung bis es nicht mehr geht.

Gebauer betont bei jeder Gelegenheit, dass der Unterricht in Präsenz im Klassenzimmer stattfinden muss. Weil das ja das Beste für die Kinder und Jugendlichen sei. Doch wenn deren Wohl das Wichtigste ist, warum werden dann die Schulen nicht längst ganz anders unterstützt? Mit eigenen Testbussen auf dem Pausenhof? Mit kreativen Konzepten, wie man auch in kleineren Gruppen lernen kann? Oder in einer Mischung aus digitalen Inhalten und Präsenzunterricht? Alles so vorbereitet, dass man, je nach Infektionslage, von einem Konzept ins andere wechseln kann. Und unterstützt mit Hilfskräften, die den Lehrerinnen und Lehrer das abnehmen, was nichts mit dem eigentlichen Unterricht zu tun hat?

Mein Eindruck: Der Schulministerin geht es nicht um die Kinder

All das gibt es nicht. Und so entsteht bei mir der Eindruck, dass es der Schulministerin am Ende gar nicht um die Schülerinnen und Schüler geht. Sondern nur darum, dass deren Eltern trotz Pandemie weiter arbeiten können. Und die Arbeitgeber nicht mit Ausfalltagen für Kinderbetreuung belastet werden. Als Schulministerin in Pandemiezeiten hat sich Yvonne Gebauer als ungeeignet erwiesen.