Kommentar zur Fanrückkehr: Gefährlicher NRW-Sonderweg

Fans des 1. FC Köln beim DFB-Pokal-Spiel gegen Altglienicke

Kommentar zur Fanrückkehr: Gefährlicher NRW-Sonderweg

Von Christoph Ullrich

In den Sportarenen der Republik dürfen bald wieder tausende Fans jubeln. Die NRW-Landesregierung geht allerdings einen Sonderweg, der heikel ist.

Eines vorweg: Endlich ist dieses Thema abgeräumt. Mit 20 Prozent der Fans in den Stadien ist ein Anfang gemacht. Ein guter Schritt zurück in die Normalität, von der die gesamte Veranstaltungsbranche profitieren wird. Ein Konzert von Bryan Adams in Düsseldorf ist kein Politikum mehr.

Und es ist ja erst einmal eine Testphase mit Aussicht auf mehr Kunden und Kundinnen auf den Rängen - damit kann die Bundesliga leben. Aber auch nur die.

Für Sportarten und Ligen jenseits der großen, mit TV-Geldern gut ausgestatteten Fußballliga wird es mit 20 Prozent arg eng. Das weiß auch die NRW-Landesregierung. Entsprechend ehrbar ist der Versuch, für all die anderen jenseits der Bundesliga eine weitergehende Lösung zu finden.

Ein Problen für Zweitligisten?

Christoph Ullrich

Christoph Ullrich, WDR-Landespolitik

So dürfen zum Beispiel in der Fußball-Regionalliga ein Drittel der Plätze belegt werden. In der Relation ist das mehr, als den großen Clubs der Bundesliga erlaubt ist. In der vierten Liga haben allerdings Traditionsvereine wie Alemannia Aachen gern mal über 5.000 Besucher pro Spiel, und über allen thront der Krösus Rot-Weiss Essen mit fast 10.000 pro Partie.

Clubs wie diese werden in ihren großen Stadien dadurch halbwegs auf den üblichen Schnitt kommen. Und mehr reinlassen können als der VfL Bochum in der zweiten Liga, für den die Bundesliga-Regel gelten wird.

Nur ist der VfL ausgerechnet einer der Clubs, die von der Corona-Pandemie an den Rand der Existenz gedrängt wurden. Ob man sich das an der Castropper Straße, da wo das Stadion des VfL steht, gefallen lassen wird? Vor jedem Verwaltungsgericht hätten die Bochumer sicher gute Chancen, auch ein Drittel Auslastung haben zu dürfen.

Ärger der anderen Sportarten ist absehbar

Und was machen die anderen Sportarten? Handball-, Basketball- und Eishockeyerstligisten hängen genauso am Tickettropf wie ihre Kollegen in der Vierten Fußballliga. Für sie gilt aber erst einmal die bundeseinheitliche Regel von 20 Prozent und nicht der NRW-Sonderweg von 33 Prozent. Sicherlich werden Vereine wie die Düsseldorfer EG, TuSEM Essen oder die Baskets Bonn aber wohl auf den NRW-Weg pochen. Das verspricht Ärger.

Womit sich das bestätigt hat, was viele politische Beobachter nach dem Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens im März prophezeit haben: Verbieten und Schließen ist einfach. Aber den Laden dann wieder hochzufahren, das ist eine ganz schwierige, mitunter widersprüchliche Angelegenheit.

"Gefährlicher NRW-Sonderweg"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 16.09.2020 02:16 Min. Verfügbar bis 16.09.2021 WDR 5 Von Christoph Ullrich

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Stand: 15.09.2020, 19:14