Kommentar: Das Gebauer-Laschet-Schulchaos

Armin Laschet und Yvonne Gebauer auf dem Weg in eine Pressekonferenz

Kommentar: Das Gebauer-Laschet-Schulchaos

Von Christoph Ullrich

NRW verabschiedet sich für mindestens eine Woche in den Distanzunterricht. Das hin und her ist keine Frage der Inzidenzzahlen, sondern eine des politischen Durcheinanders. Ein Kommentar.

Man muss Yvonne Gebauer (FDP) eines zugute halten: Viel Spielraum für eine andere Entscheidung als den Distanzunterricht hatte sie nicht. An Gründonnerstag hatte sie eine Testpflicht für alle Schüler und Schülerinnen angekündigt.

Nach den Ferien sollten alle, die an den Schulen unterrichtet werden, zweimal in der Woche einen Test machen. Jetzt, wo Spucktests erst einmal - auf Empfehlung des RKI - ausfallen, war es um die Testpflicht geschehen, zumindest für die Grundschulen. Bei den Kleinsten ist es schwer möglich, einen Stäbchentest verpflichtend zu  machen. Freiwilligkeit wäre hier das Losungswort.

Laschet nimmt Gebauer die Optionen

Diesen Ausweg hat aber Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) seiner Schulministerin genommen. Als der am Montag - offenbar wenig mit dem Koalitionspartner abgesprochen - seine Idee für den Brückenlockdown vorstellte, knüpfte der CDU-Chef den Unterricht in Präsenz auch an eine verpflichtende Testung an den Schulen.

Brückenlockdown gesagt, Chaos geschaffen

WDR RheinBlick 09.04.2021 29:54 Min. Verfügbar bis 09.04.2022 WDR Online


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Was also hätte Yvonne Gebauer tun können? Die Testpflicht für die Grundschulen aufheben? Und damit den Ministerpräsidenten vor den Augen der politischen Öffentlichkeit bloßstellen? Das wäre eine satte Koalitionskrise geworden.

Es blieb nur der geordnete Rückzug

Nein, ihr blieb nur der Umweg über den geordneten Rückzug. Wohl auch - so ist zu hören - weil die Testlogistik noch an vielen Details hängt. Wo, wann und wie getestet wird, war einfach noch nicht final klar. Somit musste eine Entscheidung gefällt werden, die Yvonne Gebauer schlecht aussehen lässt.

Wäre das zum ersten Mal passiert, dann wäre das alles noch irgendwie verkraftbar. Ist es aber nicht. Schon auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle des vergangenen Winters wurde Gebauer vorgeworfen, nicht wirklich vorbereitet gewesen zu sein. Es gab Rücktrittsforderungen und öffentliche Kritik, auch jenseits der teilweise menschenverachtenden Reaktionen in Sozialen Netzwerken.

Schwere Wochen für Gebauer

Und genau deshalb ist diese erneute Panne ein massives Problem: Kaum jemand glaubt Gebauers Begründung, das Infektionsgeschehen sei zu undurchsichtig, obwohl sie das vor den Osterferien auch nicht gestört hat. 

Genau deshalb zeigen jetzt große Teile der Schullandschaft mit dem Finger auf fehlende und schlecht organisierte Tests und das Abstimmungschaos mit dem Ministerpräsidenten. Für Yvonne Gebauer werden die nächsten Wochen schwer, zumindest wenn diese Regierung so weitermacht wie bisher. 

Stand: 09.04.2021, 13:58

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