Ein Schüler aus Baden-Württemerg zieht im Unterricht die Maske auf oder ab. Ein Mitschüler dahinter hat die Maske bereits aufgesetzt.

Kommentar: Unterricht in der Schule ist kritische Infrastruktur!

Stand: 05.01.2022, 14:17 Uhr

Die Schulen in NRW starten wie geplant am Montag in den Präsenzunterricht. Das ist auch weiterhin die beste Entscheidung, findet unser Kommentator.

Von Christoph Ullrich

Die Schulen starten normal. Also in dem Rahmen, wie ihn die Pandemie zulässt: Mit Maske und regelmäßigen Pflicht-Tests. Und das ist die einzig richtige Entscheidung. 

Geschlossene Schulen sind nämlich eine Katastrophe. Egal wie das Konstrukt auch heißt, ob Wechsel- oder Distanzunterricht: Was an sozialen Kontakten und Lernerfolgen ausbleibt - dieser Schaden ist kaum aufzuholen. Vor allem für die Kinder und Jugendlichen, die es eh schon schwer haben im deutschen Bildungssystem, dort wo immer noch der elterliche Geldbeutel eher über schulisches Gelingen entscheidet als anderswo.

Wichtiger Beitrag der Pandemie-Bekämpfung

Außerdem leisten die Schulen einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung heftiger Corona-Wellen. Zumindest in NRW. Durch die strengen Testpflichten findet man die meisten Fälle. Damit hat man auch zwangsläufig das ganze Umfeld des Kindes im Blick, kann Infektionsketten unterbrechen. Dieser Effekt ist inzwischen von mehreren Studien belegt und NRW wird dafür politisch gelobt. 

Einem normalen Schulstart steht damit nichts im Wege, selbst wenn durch die Tests die Zahlen - erwartbar - deutlich steigen werden. Spannender ist jedoch, welche Schlussfolgerungen jetzt für die Zukunft gezogen werden. Und da war es für die Schüler und Schülerinnen in NRW eine gute Woche.

Die strukturelle Aufholjagd muss jetzt starten

Alle Landtagsparteien haben inzwischen den Wert des Präsenzunterricht anerkannt. Keiner will mehr den Schul-Lockdown. Mehr noch: Die Oppositions-SPD verlangt, dass Schule kritische Infrastruktur wird und sich somit auf dem gleichen Level befindet wie Polizei, Feuerwehr und Stromversorger. Gut so! Finden auch Grüne und die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Sie sagte der Westdeutschen Zeitung, sie setze sich auf Bundesebene dafür ein, dass Schulen systemrelevant werden.

Gebauer: "Präsenzunterricht oberstes Gebot"

WDR 2 05.01.2022 07:45 Min. Verfügbar bis 05.01.2023 WDR 2


Download

Jetzt kann man nur hoffen, dass es auch so kommt. Dann wäre es nämlich nicht mehr so leicht, dauernd bei den Jüngsten Einschränkungen zu beschließen. Im Gegenteil: Wären Schulen kritische Infrastruktur, würde man sich politisch endlich dazu verpflichten, dass die schulische Infrastruktur auf allen Ebenen modern und zeitgemäß sein muss. Es gibt dann keine Ausreden mehr, sondern eine Aufholjagd. Und vielleicht wurde in dieser Woche dazu der Startschuss gegeben.

Weitere Themen