Kommentar: Schalke 04 - eine Landesbürgschaft zuviel!

Der Rudi-Assauer-Platz mit weißen Bannern auf der königsblauen Tausend-Freunde-Mauer.

Kommentar: Schalke 04 - eine Landesbürgschaft zuviel!

Von Christoph Ullrich

Der FC Schalke 04 irritiert mit Meldungen über eine vermeintliche Landesbürgschaft. Dabei geht es um einen politsichen Brauch, der längst auf den Prüfstand gehört. Ein Kommentar.

Das raubt einem schon den Atem, mit welcher Geschwindigkeit der FC Schalke 04 in dieser Corona-Zeit erodiert. Sportlich abgestürzt, finanziell - nach Jahren des Lebens auf Pump - fast ruiniert und moralisch auf dem Tiefpunkt. Nicht nur, weil der Aufsichtsratschef bis heute noch Clemens Tönnies hieß. Genau der, der mit seinem Fleischbetrieb die Corona-Pandemie fast auf ein neues Level gehoben hat.

Nicht nur Schalke hielt die Hand auf

Entsprechend groß ist die Aufregung um eine vermeintliche Bürgschaft des Landes. Aber - einmal durchatmen - wir sollten eher über die grundsätzliche Praxis reden, die in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen politisch gelebt wird und wurde, und auf deren Basis Schalke bis jetzt Landeshilfen in Anspruch nehmen konnte.

Seit 1995 ist es nämlich guter Brauch, dass Proficlubs vom Land Unterstützung bekommen. Besonders, wenn sie ihr eigenes Stadion oder dessen Umfeld aus-, um- oder neu bauen wollten. In NRW sind es sieben Vereine, die seitdem von Landesbürgschaften profitiert haben: von Borussia Dortmund, über Alemannia Aachen bis jetzt zum FC Schalke 04.

Moderne Stadien, schnelle Bürgschaften

Entstanden ist daraus ein dichtes Geflecht an modernen Stadien. Über Jahre war es ein guter Deal für beide Seiten: Die Clubs hatten Vorteile im Wettbewerb, die jeweilige Regierung hatte einen Imagegewinn. Egal also ob SPD, CDU, Grüne oder FDP - Landesregierungen in NRW haben auf diese Weise ihrem Volkssport gerne unter die Arme gegriffen. 

Keine politischen Hilfen mehr für das Milliarden-Geschäft!

Aber da gibt es jetzt seit März diese eiskalte Corona-Regel: In der Zeit des Virus wird jede systematische Schwäche schonungslos offen gelegt. Sei es in der Pflegebranche, bei der Produktion des Schweinefleischs oder eben bei den Landesbürgschaften für den Profifußball.

Die stehen nämlich jetzt als das dar, was sie eigentlich sind: Eine Wettbewerbsverzerrung und ein Sonderstatus für eine milliardenschwere Unterhaltungsindustrie, die eigentlich längst keine öffentlichen Finanzhilfen mehr brauchen sollte.

Stand: 30.06.2020, 16:09