Kommentar: Weg mit den Quarantäne-Regeln an Schulen

Mädchen spielt mit ihrer Puppe- beide tragen Maske

Kommentar: Weg mit den Quarantäne-Regeln an Schulen

Von Christoph Ullrich

Die aktuelle Quarantäne-Regeln bescheren Familien mit Schulkindern die Angst vor einer Dauerquarantäne. Das darf nicht passieren. Ein Kommentar.

Im Grunde ist es ein fauler Kompromiss gewesen, den Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) da eingegangen ist. Sie wollte scheinbar allen Eltern gerecht werden. Aber wenn das Schulministerium einerseits wünscht, dass kompliziert die Sitznachbarn eines infizierten Kindes ermittelt werden müssen, andererseits aber das Gesundheitsamt weiterhin das letzte Wort in der Sache hat - was Gebauer den Ämtern eingeräumt hat - dann wird der einfachste Weg gegangen.

Distanzunterricht durch die Hintertür

Auf dem Papier steht dann zwar der Wunsch nach Quarantäne für möglichst wenige Kinder einer Klasse, in der Realität entlasten aber sich die Ämter, indem sie pauschal 14-Tage die ganze Gruppe in die eigenen vier Wände sperren. Irgendwas lässt sich immer finden, was diesen simplen Schritt rechtfertigen würde.

Die Konsequenz: Da bei der bestehenden Testpflicht viele Infektionen auffallen, sind immer mehr Kinder in Quarantäne. Viele von ihnen ohne Infektion. Und ihnen droht dann, beim nächsten Corona-Fall, die nächste Quarantäne - eine sich anbahnende Dauerschleife. Es wäre, ginge es so in die dunklen Monate, der Distanzunterricht durch die Hintertür. Für eine Gruppe von Menschen, bei denen sich die Corona-Risiken, trotz Long Covid, im Rahmen halten.

Politik ist in der Pflicht

Was also tun? Die Antwort ist einfach: Die Quarantäne für Kontaktpersonen muss weg. Stattdessen sollte bei einem nachgewiesenen Fall in der Klasse eine tägliche Testpflicht von einigen Tagen folgen. Infizierte Kinder bleiben solange zuhause, bis sie einen negativen PCR-Test vorweisen können. Der Rest geht weiter aber besser getestet zur Schule. Bei anhaltender Mischung aus Luftfiltern, Lüften und Masken ein vertretbarer Schritt, der Eltern die Angst vor einer herbstlich, winterlichen Dauerquarantäne nimmt - und den Gesundheitsämtern etwas Druck.

Und die Politik steht in der Pflicht, jenseits seltsamer Quarantäne-Regeln bessere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Womit dann auch den ganz vorsichtigen Eltern entgegen gekommen wäre, die Angst vor der Aufhebung der Quarantäne haben werden. Dann hätten wir einen guten statt eines faulen Kompromisses.

Gesundheitsamtsleiterin stellt Quarantäne für Kinder in Frage

WDR 2 27.08.2021 04:04 Min. Verfügbar bis 27.08.2022 WDR 2


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Stand: 30.08.2021, 16:33

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