Coronatests in der Grundschule Bonifatiusschule in Düsseldorf

Kommentar: Schluss mit den PCR-Pooltests an Grundschulen und Kitas!

Stand: 21.01.2022, 15:22 Uhr

An den Grundschulen im Land und einigen Kitas wird auf PCR-Pooltests gesetzt. In der Omikron-Welle verschärft diese Art der Testung aber die Probleme bei den Labors. Und so drohen hausgemachte Schul- und Kitaschließungen.

Von Christoph Ullrich

Es gehört nicht gerade zu den schönen Aufgaben der Politik, unbequeme Maßnahmen zu ergreifen. Aber eine solche könnte bevorstehen. Die PCR-Pool-Tests an den Grundschulen und in einigen Kindergärten haben aus meiner Sicht keine Zukunft mehr. Man wird recht bald ein geschätztes Tool der Pandemieüberwachung aufgeben müssen.

Bisher hat sich die Strategie ausgezahlt, die Grundschüler- und Schülerinnen im Lande genau unter die Corona-Lupe zu nehmen. Fast jede Infektion wurde entdeckt, binnen eines Tages wusste man, welche Kinder betroffen waren und deren privates Umfeld hat man gleich mittesten können. In der Phase der Delta-Variante ein hochgelobtes System, Infektionsketten rechtzeitig zu brechen. 

Omikron und das warten auf das Testergebnis

Aber: Jetzt werden die Tests knapp. Omikron fegt durch das Land. Die Labore testen sich an die Kapazitätsgrenze und werden sie überschreiten. Wer nicht für einen PCR-Test zahlen kann oder will, der wartet häufig mehr als 48 Stunden auf sein Ergebnis. Im Einzelfall ist das noch so gerade verschmerzbar, vor allem bei den gelockerten Isolationsregeln. 

Aber bei Pooltestungen von asymptomatischen Kindern sieht das anders aus. Ganze Klassen und Gruppen werden inzwischen geschlossen, weil die Einzelergebnisse der immer häufiger positiven Pools auf sich warten lassen. Tatsächlich sitzen auf diese Weise viele Kinder zuhause rum, die mehrere Tage auf ihr negatives Ergebnis warten mussten. 

Und diese Lage wird sich zuspitzen: Wir sind noch lange nicht auf den Höhepunkt der Omikron-Welle angekommen. Je stärker die allgemeinen Zahlen in den kommenden zwei, drei Wochen steigen, desto schwieriger wird das mit den PCR-Tests. Nicht ohne Grund kann man sich inzwischen auch per Schnelltest aus der Isolation und Quarantäne testen, nicht ohne Grund warnt Bundesgesundheitsminister Lauterbach, dass man die PCR-Tests priorisieren müsse. Und da halte ich Pooltestungen in Pflegeheimen oder bei der Polizei und Feuerwehr für sinnvoller als an Schulen und Kitas. 

Eine Form von Bildungs-Lockdown

Viele mit denen ich aus der Politik rede, erkennen diesen Umstand auch an. Aber sie sagen auch, an den Schulen und Kitas nur noch Schnelltests anzuwenden, sei politisch schwer vermittelbar. Und das stimmt sogar - weil viele Eltern, Lehrerinnen und Erzieher aus den PCR-Tests ein Sicherheitsgefühl ziehen und nicht zwischen den Wellen differenzieren. Dabei ist Omikron weitaus weniger gefährlich als Delta. Daher ist es angeraten, so langsam den Ausstieg aus der PCR-Testung vorzubereiten.

Die Alternative, einfach so weiterzumachen, wäre nämlich schwerwiegend: Es wird dann noch massivere Betreuungs- und Unterrichtsausfälle geben. Weil es viel zu viele Kinder geben wird, die weder in Quarantäne noch Isolation sitzen, sondern die einfach tagelang auf Testergebnisse warten. Auch eine Form von Bildungs-Lockdown.