Kommentar: Maskenpflicht an Schulen - warum?

Unterricht mit Maskenpflicht

Kommentar: Maskenpflicht an Schulen - warum?

Von Stefan Lauscher

Die Rückkehr in die Schule wird für Kinder und Jugendliche doppelt hart: Nach den Ferien müssen sie im Unterricht Masken tragen. Hat das wirklich nur gesundheitliche Gründe? Ein Kommentar.

Wow, das hat gesessen! Nordrhein-Westfalen ordnet eine Maskenpflicht in den Schulen an. Und zwar nicht nur auf den Schulhöfen und auf den Gängen – darüber hätte man notfalls ja noch reden können - sondern auch im Unterricht. Lehrer sind dabei übrigens eingeschlossen, wenn sie den Mindestabstand von 1 Meter 50 nicht sicher einhalten können.

Stefan Lauscher

Stefan Lauscher, WDR Landespolitik

Im Klartext heißt das: Schüler sollen ab kommender Woche fünf, sechs, sieben Stunden am Stück beim Pauken eine Maske tragen, damit sie sich bei Freunden und Mitschülern nicht anstecken, die sie nach der Schule natürlich ohne Maske treffen. Bei Klassenarbeiten, Referaten oder beim Erlernen des englischen „th“ darf  die Maske abgenommen werden; klar, in solchen Situationen werden ja auch keine Aerosole ausgeatmet.

Zurück zum Frontalunterricht

Singen im Musikunterricht ist abgesagt. Sport in der Halle auch. Dafür können die jungen Leute dann ja abends in die Muckibude oder in die Badminton-Halle gehen; was natürlich weiter erlaubt ist.

Und was die Lehrer angeht: Macht ja nix, wenn die durch die Maske kaum noch zu verstehen sind. Oder ohne Maske nur noch Frontalunterricht wie zu Kaisers Zeiten machen dürfen.

Herzlichen Glückwunsch, wer das für eine gelungene Rückkehr zum Regelschulbetrieb hält, der muss schon eine ziemlich rege Phantasie haben. Ist im Schulministerium von Frau Gebauer eigentlich gar nichts angekommen?

Von all den Corona-Studien, die sagen, dass von den Schulen so gut wie kein Infektionsrisiko ausgeht? Oder von den Erfahrungen in Sachsen, die schon vor den Sommerferien wieder Schulbetrieb für alle hatten und wo keine Corona-Hotspots entstanden sind?

Mit Maske gegen Söder?

Ich frage mich wirklich nach dem „Warum“. Und werde das Gefühl einfach nicht los, dass es Ministerin Gebauer, vor allem aber Ministerpräsident Armin Laschet, mit diesem strengen Corona-Regiment weniger um das Infektionsrisiko ging, als vielmehr um die Gefahr, öffentlich wieder mal als unverantwortlicher Prediger neuer Corona-Lockerungen dazustehen. Im Kampf um die Kanzlerkandidatur also endlich mal Punkte machen gegen Söder, der natürlich jede Neuinfektion in einer NRW-Schule genüsslich als Scheitern Laschets und Bestätigung seiner harten Linie ausgekostet hätte.

Die Schüler und Lehrer müssen das jetzt ausbaden. Schade! Ich hatte gehofft, die Rückkehr zum Regelschulbetrieb könnte so etwas werden wie ein Stück wieder erlangte Normalität. Jetzt mit der Maskenpflicht im Unterricht, ist es nicht mehr als ein Akt der Ängstlichkeit und Mutlosigkeit daraus geworden.

Stand: 03.08.2020, 18:08

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