Kommentar: Bitte keine Lippenbekenntnisse zu Lügde

Polizeiabsperrung auf dem Campinpgplatz Lügde

Kommentar: Bitte keine Lippenbekenntnisse zu Lügde

Von Daniela Junghans

Der Fall Lügde hat gezeigt, das beim Kinderschutz in NRW vieles nicht gut funktioniert. Die Landesregierung muss zügig nötige Reformen beginnen. Ein Kommentar.

Wenn es um Lügde geht, ist sich die Politik einig: solche Taten zu verhindern, werde vielleicht die wichtigste Aufgabe seiner Amtszeit – das hat heute Innenminister Herbert Reul gesagt. Sein Kollege, Familienminister Joachim Stamp, sprach davon, dass Kinder in Zukunft völlig anders geschützt werden müssten. Und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey forderte mehr Prävention, gerade in den Ländern.

Daniela Junghans

WDR-Korrespondentin Daniela Junghans

Aber wir brauchen mehr als Lippenbekenntnisse und Versprechungen. Wir brauchen echte Reformen bei fast allem, was den Kinderschutz betrifft. Da sind zum Beispiel die Strukturen bei den Jugendämtern: Im Fall Lügde war nicht etwa das Jugendamt vor Ort für das Pflegekind zuständig, sondern das seines Herkunftsortes - dort also, wo die Mutter lebt. Das mag auf den ersten Blick logisch sein, doch für den Alltag, zum Beispiel für die nötige regelmäßige Kontrolle des Pflegevaters, war es fatal.

Landesregierung muss handeln

Es ist richtig, dass die Landesregierung hier ansetzen und das System reformieren will. Das wird nicht leicht, schließlich geht es um Geld, Personal – und ganz unterschiedliche Strukturen. Denn für die Jugendämter sind die Kommunen zuständig, und da es um eine Bundesländer übergreifende Angelegenheit geht, müssen auch die Länder und der Bund mit ins Boot. Keine leichte Aufgabe für den NRW-Familienminister. Und er darf hier nicht scheitern. Dafür ist das Thema viel zu wichtig !

Experten machen Druck

Unterstützung, aber auch ordentlich Druck bekommt die Landesregierung von vielen Experten. Sie fordern nicht nur Reformen bei den Jugendämtern, sondern auch einen Kinderschutz-Beauftragten, eine stärkere Aufklärung schon bei kleinen Kindern und auch eine bessere Ausbildung von zum Beispiel Richtern oder Psychologen – hier müsse der Kinderschutz mehr ins Studium integriert werden.

Es müssen auch dringend bessere Schutzkonzepte für Kitas, Schulen und Vereine entwickelt werden. Dabei helfen soll ab dem kommenden Jahr eine landesweite Fachstelle, die sich um Beratung und Prävention kümmert - das erste konkrete Projekt, das der Familienminister vorgestellt hat. Es müssen und werden wohl noch viele weitere Maßnahmen folgen. Damit all die Versprechungen der vergangenen Wochen nicht doch nur Lippenbekenntnisse bleiben.

Was lernen wir aus Lügde?

WDR RheinBlick 19.07.2019 28:40 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 WDR Online

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Stand: 05.09.2019, 17:15