Kommentar: Laschets wichtiger Etappensieg

Jens Spahn, Armin Laschet, Friedrich Merz

Kommentar: Laschets wichtiger Etappensieg

Von Christoph Ullrich

Armin Laschet erhält für seine Kandidatur für den Parteivorsitz volle Unterstützung aus NRW. Der Vorstand der NRW-CDU steht fast geschlossen hinter ihm, mit einem solch großen Zuspruch war lange nicht zu rechnen.

Natürlich wäre es seltsam gewesen, der NRW-Landesvorstand hätte sich nicht für Armin Laschet ausgesprochen. Er ist seit jetzt bald acht Jahren Chef des CDU-Landesverbandes. Er hat 2017 überraschend Hannelore Kraft als NRW-Ministerpräsident abgelöst. Und er selber hat in seiner bisherigen Regierungszeit zwar hier und da unter Druck gestanden - Beispiel Hambacher Forst - aber, die ganz groben, nachhaltigen Schnitzer hat er nicht begangen.

NRW-CDU hatte keine andere Wahl

Wenn er sich also aufmacht, CDU-Bundeschef zu werden, kann der Vorstand in der Mehrheit nicht anders, als sich hinter Laschet zu stellen. Alles andere wäre ein großes Problem. Warum sollte die ganze Partei jemanden zum Vorsitzenden machen, den nicht mal der eigene Landesvorstand formal unterstützt? Insofern musste der NRW-Vorstand der Union so entscheiden, wollte er nicht schon zum Start des Wahlkampfs die Kandidatur Laschets irreparabel beschädigen.

Trotzdem ist diese Nominierung ein viel größerer Etappensieg für Armin Laschets Streben nach dem Bundesvorsitz, als es auf den ersten Blick wirkt. Das liegt vor allem an der überraschenden Geschlossenheit des NRW-Vorstandes. In geheimer Abstimmung sprachen sich über 90 Prozent der über 30 anwesenden Vorstände für Laschet aus. Das ist viel. Einzig aus den Heimatkreisen der beiden anderen NRW-Bewerber, Norbert Röttgen und Friedrich Merz, kam offenbar Widerspruch zu Laschet.

Großer Zuspruch Problem für Merz

Dieser große Zuspruch pro Laschet ist besonders für Friedrich Merz eine herbe Niederlage. Im letzten Jahr hatte er noch deutlich mehr Sympathien aus der NRW-CDU. Dieses Interesse an ihm scheint deutlich abgekühlt. Aus seiner NRW-Heimat darf er auf dem Bundesparteitag Ende April wenig erwarten.

Das liegt nicht nur an seinen Auftritten von der Seitenlinie im vergangenen Jahr, die in der CDU viele gestört haben. Nein, es war auch Laschets Schachzug, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als potentiellen Stellvertreter gewinnen zu können. Mit dem deutlich konservativer ausgeprägten Spahn bildet der progressiv geltende Laschet halt eben deutlich stärker die Breite der Partei ab, als es Merz alleine kann.

Röttgen kiregt in NRW kein Bein auf den Boden

Und Norbert Röttgen? Dass seine Bewerbung auf den Bundesvorsitz besonders in NRW nicht gut angekommen war, ist kein Geheimnis. Kaum einer in der Partei hat das Chaos vergessen, dass er als Landeschef und Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2012 hinterlassen hat. Damals lag der größte CDU-Landesverband am Boden, holte nur 26 Prozent der Stimmen. So erfolglos war in der NRW-CDU bisher keiner.

Stand: 28.02.2020, 14:17