Kommentar: Es braucht jetzt einen wie ihn

Armin Laschet, Unions Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, geht zur Sitzung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der CDU im neugewählten Bundestag.

Kommentar: Es braucht jetzt einen wie ihn

Von Jochen Trum

Nach einer glücklosen Kanzlerkandiatur ist Armin Laschet nun entschlossen, seine Nachfolge in NRW selbst zu regeln. Das ist auch dringend nötig, um die CDU vor noch mehr Streit zu bewahren. Ein Kommentar.

Es könnte der letzte große Dienst sein, den Armin Laschet seiner CDU in Nordrhein-Westfalen erweist. Obgleich er selbst um sein politisches Überleben in Berlin ringt, nimmt er in der Heimat die Zügel in die Hand. Und versucht, seine Nachfolge zu regeln.

Es braucht jetzt einen wie ihn, um die streitenden Widersacher zu überzeugen. Noch wird ihm diese Autorität hierzulande zugestanden. Er muss die eine Person finden, die als Ministerpräsident, Spitzenkandidat für die Landtagswahl und Vorsitzender die CDU im Westen eint und zum Sieg führen kann. Nichts weniger erwartet die Partei von ihm. Denn sie fürchtet nichts mehr, als dass die Dinge außer Kontrolle geraten, einige die Nerven verlieren und es zum offenen Streit kommt.

Streit nützt dem Gegner

Wenn es eine Lektion gibt, die die CDU in Nordrhein-Westfalen eigentlich verinnerlicht haben müsste, dann die: Streitereien nützen nur dem politischen Gegner. Das weiß sie aus eigener leidvoller Erfahrung. Und diejenigen, die diese Lektion zwischenzeitlich vergessen hatten, sollten durch das Desaster der Bundespartei in diesem Jahr eigentlich wieder wach geworden sein. Spätestens.

Die CDU-Fraktion, die den neuen Regierungschef im Landtag gemeinsam mit der FDP wählen muss, wird den Vorschlag mittragen. Auch wenn es, bei nur einer Stimme Mehrheit im Parlament, ein gewisses Restrisiko gibt. Ein Abweichler könnte alles platzen lassen. Politischer Totalschaden.

Schafft Laschet es besser als Merkel?

Die Unterstützer von Hendrik Wüst rechnen nun fest damit, dass es am Ende der Verkehrsminister sein wird, den Laschet vorschlägt. Er gilt schon lange als Favorit. Die Kunst wird sein, die, die leer ausgehen, gut zu behandeln und an Bord zu halten. Vor allem Innenminister Reul. Einfach ist das nicht für Laschet. Nun kommt alles auf ihn an. Und das nicht ganz unverschuldet, denn Laschet wollte die Dinge möglichst lange möglichst offen halten. Jetzt muss alles schnell passieren, am besten zeitgleich.

Angela Merkel hat darauf verzichtet, ihre Nachfolge zu regeln. Das Ergebnis ist bekannt. In Nordrhein-Westfalen kann Laschet jetzt zeigen, dass er das besser hinbekommt.

Stand: 28.09.2021, 17:04

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