Kommentar: Laschets kluger Lockdown-Plan

Eine leere Gasse in der Düsseldorfer Altstadt

Kommentar: Laschets kluger Lockdown-Plan

Von Stefan Lauscher

Armin Laschet hat einen strikten, sogenannten Lockdown nach Weihnachten vorgeschlagen. Ein politischer schlauer Schachzug, findet unser Kommentator.

590 Corona-Tote meldet das Robert-Koch-Institut allein heute. Das ist neuer Rekord. Die Zahl der Neuinfektionen will trotz aller aktuellen Kontaktbeschränkungen einfach nicht zurückgehen. Die Städte mit einer Wocheninzidenz über 200 - derzeit sind es acht in Nordrhein-Westfalen - steigt wieder.

Stefan Lauscher

Stefan Lauscher, WDR Landespolitik

Ja, ich würde mir das auch anders wünschen. Aber ich befürchte: Um einen neuerlichen harten Lockdown, kurz aber heftig, kommen wir nicht mehr herum. Und das, was Armin Laschet heute, für alle etwas überraschend, als seinen Plan für einen solchen harten Lockdown vorgeschlagen hat (es ist über weite Strecken das Konzept der Wissenschaftsakademie Leopoldina), ich finde es klug. Aus drei Gründen.

Dann tut es am wenigsten weh

Erstens: Es ist in der Sache klug. Über Weihnachten und Neujahr sind die Schulen sowieso zu. Viele Betriebe auch. Das öffentliche Leben kocht auf Sparflamme. Da tut ein Lockdown am wenigsten weh. Wenn es also wirklich sein muss, ja dann bitte doch jetzt: ein Lockdown zwischen Heiligabend und Anfang Januar ist die beste Lösung.

Und eine Lösung, hinter der sich Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz … alle die, die jetzt schon irgendwelche Sonderwege verkündet haben, gut versammeln können. Und nur ein Lockdown, der überall in Deutschland gilt, kann erfolgreich sein.

Heiligabend bleibt geschützt

Zweitens: An Heiligabend, erster und zweiter Weihnachtstag, ausschließlich an diesen drei Tagen sollen - nach Plan Laschet - die schon beschlossenen Lockerungen gelten. Das mag aus virologischer Sicht nicht die reine Lehre sein. Aber auch das finde ich klug. Weil es eine respektvolle und pragmatische Lösung ist, die es Menschen ermöglicht, ihre Familien zu besuchen.

Ich jedenfalls möchte nicht, dass mir noch einmal eine Regierung (und das nun ausgerechnet an Weihnachten) verbietet, Eltern oder Angehörigen im Altenheim zu besuchen. Oder die es untersagt, dass meine erwachsenen Kinder zum Fest zu Besuch kommen. Ich bin sicher: Es wäre auch gar nicht durchsetzbar. Millionen Menschen würden dann wissentlich gegen solche Regeln verstoßen.

Politisch klug für den CDU-Vorsitz

Und drittens: Dieser Vorschlag ist auch politisch klug. Armin Laschet geht so in die Meinungsführerschaft. Gegen alle die, die kritisieren, die Regierungen täten zu wenig. Gegenüber der politischen Opposition, die schon qua Rollenverteilung immer nach "mehr", "schneller", "konsequenter" ruft.

Und nicht zuletzt hilft es auch in seinem Rennen um CDU-Bundesvorsitz samt Kanzlerkandidatur. Wer soll – wenn es nach Plan Laschet zu einem solchen "Jahresend-Lockdown" kommen wird – ihm dann noch Zauderei und mangelnde Härte vorwerfen. Dieser Vorschlag könnte allen helfen: Uns (in der Corona-Krise) und Armin Laschet.

Stand: 09.12.2020, 16:51

Weitere Themen