Kommentar: Warum Armin Laschet weniger populär ist

Armin Laschet (CDU) steigt aus einem Auto

Kommentar: Warum Armin Laschet weniger populär ist

Von Christoph Ullrich

Die Zufriedenheitswerte von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sind mit 37 Prozent gering. Das muss kein Nachteil sein. Ein Kommentar.

Armin Laschet hat einmal erzählt, welches Gemälde in seinem Büro hängt. Im Sommer 2010 war das. Die CDU hatte im Frühjahr nach fünf Jahren die Macht verloren. Damals, im August 2010, ging es darum, wer nach dem gescheiterten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers neuer Chef der NRW-CDU werden sollte. Laschet sagte damals, in seinem Büro hänge ein Bild von Konrad Adenauer - und nicht eines von Johannes Rau.

Laschet ist kein Arbeiterführer

Eine scheinbar harmlose Äußerung, die aber eine deutliche Kritik an Jürgen Rüttgers war. Als dieser 2005, als erster CDU-Mann nach fast 40 Jahren, Ministerpräsident wurde, versuchte er es als Landesvater im Stile der SPD-Ikone Johannes Rau. Er nannte seine CDU "die wahre Arbeiterpartei" an Rhein und Ruhr. Womit Rüttgers einen breiten Konsens an Wählern ansprechen wollte, um die einstige SPD-Hochburg NRW dauerhaft für seine Partei zu sichern.

Rüttgers scheiterte als sich die Skandale um ihn häuften, seine Persönlichkeit immer klarer im Widerspruch zum patronalen Landesvater à la Rau stand und die Sozialdemokraten mit Hannelore Kraft eine gefährliche Gegenkandidatin hatten. Armin Laschet hat das aus nächster Nähe beobachten dürfen.

Progressiv aber "CDU pur"

Während der schwarz-gelben "Episode Rüttgers", war Laschet Integrationsminister - der erste der Republik. Und er galt als progressiver Teil der Christdemokraten. Womit wir wieder bei der Geschichte mit dem Bild in seinem Büro sind. Damals sollte sie übersetzt heißen: Ich bin progressiv, habe aber trotzdem ein Gemälde des CDU-Übervaters Adenauer im Büro hängen. Ich weiß, woher ich komme.

Eine kleine Geschichte, die vielleicht mehr über Laschets Amtsführung aussagt, als man glauben mag. Im Zweifel bedient er eher konservative Haltungen, als sich im Sinne einer vermeintlichen Mehrheit zu äußern. So vermied er es lange, sich im Konflikt um den Hambacher Forst als Versöhner einzuschalten. Seine Gegner bescheinigen ihm sogar, er stehe klar an der Seite des Tagebaubetreibers RWE.

CDU-Anhänger schätzen Laschet

Auch bei den Schülerprotesten "Fridays for Future" wurde er deutlich. Statt auf den Ausgleich zu setzen, sagte er, was er von den Demos in der Schulzeit hält: Nichts. Im Interview sprach er von einer größeren Glaubwürdigkeit, wenn die Schüler in ihrer Freizeit auf die Straße gehen würden. Er pochte ziemlich trocken auf die Schulpflicht.

Dem klassischen CDU-Wähler gefällt das - 70 Prozent der Unionsanhänger sind mit Laschet zufrieden. Das dürfte ihm als stabile Wählerschaft im Zweifel lieber sein als eine übergroße Popularität bei allen anderen. Warum sollte er auch dem hinterher hecheln, was schon bei seinen beiden Vorgängern nicht geklappt hat? Jürgen Rüttgers wollte zu sehr gemocht werden, Hannelore Kraft war eigentlich immer bei der Mehrheit der Menschen im Land beliebt. Abgewählt wurden beide. Vielleicht macht es Laschet genau deshalb anders.

Stand: 25.02.2019, 16:38