Kommentar: Irreführende Kinderschutz-Kommission

Ein alter Teddybär sitzt an der Wand in einem heruntergekommenen Zimmer

Kommentar: Irreführende Kinderschutz-Kommission

Von Daniela Junghans

Ein neues Gremium im Landtag soll sich mit dem Schutz von Kindern befassen. Vier Parteien wollen es Kinderschutzkommission nennen. Diese Bezeichnung führt in die Irre. Ein Kommentar.

Um es gleich  vorweg zu sagen: Dass der Landtag sich verstärkt um den Schutz und die Rechte von Kindern kümmern will, finde ich gut und richtig. Dies aber unter einer völlig irreführenden Überschrift zu tun, geht gar nicht.

Denn was uns hier versprochen wird, ist eine Kinderschutz-Kommission. Und das heißt in meiner Wahrnehmung: ein Expertengremium, in dem Fachleute sitzen. Also vielleicht Wissenschaftler, Vertreter vom Kinderschutzbund oder aus Schulen, Kitas, Verbänden. Ein Gremium, das im besten Falle unabhängig ist von Parteipolitik und Gutachten oder Konzepte erstellt, das Land bei Gesetzesvorhaben berät, Ansprechpartner bei Problemen sein kann. Eine Experten-Kommission also zum Thema Kinderschutz. Daran dachte ich, als ich zum ersten Mal von den Plänen der vier Fraktionen CDU, SPD, FDP und Grünen hörte.

Ein Ausschuss, keine Kommission

Daniela Junghans

WDR-Korrespondentin Daniela Junghans

Aber genau so eine Kommission wird es nicht geben. Die so genannte Kinderschutz-Kommission ist in Wirklichkeit ein schnöder Landtags-Ausschuss, genauer gesagt: ein Unterausschuss des Familien-Ausschusses. Nicht mehr und nicht weniger. Wir reden also über ein Parlaments-Gremium, in dem ausschließlich Abgeordnete sitzen, genauer gesagt sind es 13 Parlamentarier. Die sollen sich speziell mit Themen rund um Kinderrechte und Kinderschutz befassen.

Das hat bislang der Kinder-Jugend-und Familienausschuss selbst erledigt, nun kommt der eigene Unterausschuss. Was sich dadurch ändert: der neue Ausschuss setzt einen deutlichen Fokus auf den Kinderschutz, der Landtag kommuniziert also, wie wichtig ihm das Thema ist. Es wird mutmaßlich auch mehr und intensiver über das Thema gesprochen. Die Abgeordneten wollen auch mal Experten einladen und sich von Menschen aus der Praxis deren Probleme im Berufsalltag schildern lassen.

Das alles ist eine löbliche Angelegenheit, richtig und wichtig. Warum das aber unter einem irreführenden Namen passieren muss, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Denn das schadet der Angelegenheit, anstatt ihr zu nützen.

Kinderschutz: "Verletzungen richtig interpretieren"

WDR 2 03.07.2019 03:57 Min. Verfügbar bis 02.07.2020 WDR Online

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Stand: 15.11.2019, 06:00