Kommentar: Kopftuchverbot war keine gute Idee!

Zwei Mädchen, eines mit eines ohne Kopftuch, melden sich im Unterricht

Kommentar: Kopftuchverbot war keine gute Idee!

Von Daniela Junghans

Die NRW-Landesregierung will kein Kopftuchverbot mehr für Mädchen unter 14 Jahren. Entsprechende Pläne sind vom Tisch - wegen rechtlicher Bedenken. Ein Kommentar.

Es war eine von diesen Ideen, bei denen ich von Beginn an skeptisch war. Schon der Auslöser spricht Bände: Österreichs damaliger Bundeskanzler, in einer Koalition mit der FPÖ, hatte öffentlich über ein Verbot von Kopftüchern in Kitas und Grundschulen nachgedacht. Und NRWs Integrations-Staatssekretärin Serap Güler fand das nicht nur gut. Die CDU-Politikerin erklärte in einem Interview, sie wolle da noch weiter gehen – und das Kopftuch generell verbieten für alle Mädchen, die jünger als 14 Jahre sind.

Denn erst dann sei man ja religionsmündig, also in der Lage, qua eigenen Verstandes zu entscheiden, ob man ein Kopftuch tragen will oder nicht. Und außerdem würden kleine Mädchen durch das Tragen eines Kopftuchs sexualisiert.

Klingt einleuchtend – zumindest auf den ersten Blick. Nur: hier geht es um die Religionsfreiheit, und das macht Dinge meist sehr viel komplizierter. Außerdem: was ist dann mit kleinen christlichen Kindern? Dürfen die dann noch Ketten mit einem Kreuz als Anhänger tragen? Und kleine jüdische Jungen eine Kippa?

Kaum umsetzbar

Daniela Junghans

WDR-Korrespondentin Daniela Junghans

Das Kopftuch ist ohne Frage ein Symbol für viele unterschiedliche Dinge. Je nach Blickwinkel gilt es als Schutz oder Zeichen von Unterdrückung, als Anpassung oder Abgrenzung von einer Gesellschaft. Es Menschen aufzuzwingen, geht in einer freiheitlichen Gesellschaft gar nicht, egal ob bei Kindern oder Erwachsenen. Nur: was ist mit Kindern, die das Kopftuch gern tragen wollen, weil Mama das ja auch hat? Weil es normal ist und weil auch Mama es ganz freiwillig trägt?

Und wie sollte so ein Kopftuchverbot im Alltag funktionieren? Kontrolliert dann die Polizei auf der Straße junge muslimische Mädchen und zwingt sie, die Tücher abzunehmen, wenn sie zu jung sind? Das können wir doch nicht ernsthaft wollen!

Nur Einzelfälle

Das alles wäre aber zumindest eine Debatte wert, wenn es denn wirklich ein Problem wäre. Wenn in unseren Kitas und Grundschulen regelmäßig Kopftuch tragende kleine Mädchen spielen und lernen würden. Doch das ist nicht der Fall, im Gegenteil. Die Landesregierung musste auf Nachfrage im Landtag einräumen, dass ihr keinerlei Zahlen dazu vorliegen, wie viele Kinder mit Kopftuch in die Kita oder Grundschule geschickt werden. Es sind wohl Einzelfälle, sie kommen vor, aber selten.  

Nein, diese Idee war von Anfang keine gute, auch wenn die Absicht ehrenwert gewesen sein mag. Es ist gut, dass sich die Landesregierung nach anderthalb Jahren auch juristischer Prüfung entschieden hat, die Sache endlich fallen zu lassen.

Prozess um Kopftuchverbot

WDR Studios NRW 07.10.2019 00:46 Min. Verfügbar bis 07.10.2020 WDR Online

Stand: 09.12.2019, 19:08