Kommentar: Warum kein Hochschulgesetz für alle?

Doktorhüte fliegen in die Luft

Kommentar: Warum kein Hochschulgesetz für alle?

Von Christoph Ullrich

Das neue Hochschulgesetz ist im Landtag eingebracht worden. Die Hochschulen bekommen mehr Freiheiten. Für die Studierenden gibt es das Gegenteil. Warum muss das so laufen?

Eine gewisse Dynamik schadet der Wissenschaft nie. Wer gute Forschungsergebnisse und erfolgreiche Studierende haben will, der braucht eine aufgeschlossene und flexible Hochschullandschaft. Aber nicht jede Dynamik ist sinnvoll. Seit über 15 Jahren zerrt die Politik im Dauermodus an den Studienbedingungen: Hochschulgesetze folgen auf Hochschulgesetze.

NRW bekommt neues Hochschulgesetz

WDR 5 Westblick - aktuell 18.12.2018 01:22 Min. WDR 5

Download

Das Rad wird zurückgedreht

Nach zuletzt 2014 wird jetzt erneut das Rad neu erfunden, oder besser gesagt: zurückgedreht. Anwesenheitspflicht in Seminaren und Vorlesungen wird wieder möglich. Die Zivilklausel, die militärische Forschung ausschließen soll, wird wieder gestrichen. Und wer Probleme im Studium hat, bekommt es im Einzelfall mit Zielvereinbarungen zu tun, die er mit der Hochschule abschließen soll.

Freiheit nur nach Sichtweise

Studierende fühlen sich gegängelt, während im Gegenzug die mit vielen Milliarden finanzierten Universitäten und Fachhochschulen wieder freier von staatlicher Kontrolle entscheiden dürfen.

Das ist natürlich eine zugespitzte Darstellung, aber sie zeigt, wie seit Jahren die Hochschulpolitik in NRW läuft: Regieren SPD und Grüne steht die freie Gestaltung des Studiums im Mittelpunkt, während den Hochschulen eher mal Fesseln angelegt werden. Sind dagegen - wie jetzt - CDU und FDP am Ruder, bekommen die Hochschulen weitreichende Freiheiten und die Studierenden haben es mehr mit einer Schule als mit einer Hochschule zu tun.

Ideologische Debatte

Für beide Sichtweisen gibt es gute Argumente. Allerdings: Mit eher ideologisch geprägten Gesetzen löst sich kein grundsätzliches Problem. Immer noch gibt es überfüllte Seminare und in einigen Fächern einen Mangel an Plätzen. Und in vielen Fällen klagen Dozenten und Studierende über eine schlechte Ausstattung. Sind die Hochschulen digitaler als die Schulen im Land? Im Einzelfall, vielleicht - aber insgesamt eher nicht.

Gemeinsame Interessen freuen die Wirtschaft

Dieses neue Hochschulgesetz fällt also in die Kategorie: Kann man so machen. Aber es geht am Kern der Debatte vorbei. Statt Studierende und Hochschulen mit Gesetzen gegeneinander auszuspielen, wäre es beim nächsten Hochschulgesetz angebracht, gemeinsame Interessen zu vertreten. Denn kleine Seminare mit zufriedenen Studenten und Studentinnen gefallen auch dem Dozenten. Und sicher auch den künftigen Arbeitgebern, die den dann gut ausgebildeten Nachwuchs beschäftigen.

Anwesenheitspflicht im Studium

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 24.01.2019 05:08 Min. WDR 5

Download

Stand: 24.01.2019, 16:30

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 EinAndererAnonymus 25.01.2019, 17:28 Uhr

    Die Zivilklausel ist eine Errungenschaft, auf die ich nicht verzichten will. Militärforschung dient nicht der Allgemeinheit und hat deshalb an Universitäten und Fachhochschulen nichts zu suchen. Das gilt umso mehr als die Bundesregierung Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete genehmigt und Diktatoren in den Besitz modernster Waffen kommen. Dafür will ich meine Steuern nicht ver(sch)wendet sehen.