Kommentar: Wie sich die AfD wegen des Helferich-Falls weiter zerlegt

Ein Plakat mit dem Logo der Partei Alternative für Deutschland (AfD) liegt auf dem Straßenboden in München.

Kommentar: Wie sich die AfD wegen des Helferich-Falls weiter zerlegt

Von Christoph Ullrich

AfD-Politiker Matthias Helferich ist Landesvorstand in der NRW-Partei und macht der Gesamtpartei wegen rechter Chats Ärger. Der Umgang mit dem Fall zeigt aber, wie handlungsunfähig die Partei geworden ist.

Die AfD-Stammwählerschaft ist geduldig. Seit Jahren schon kann in der Partei passieren, was will: Um die zehn Prozent halten in Deutschland weiter zu ihr. Das ist zwar immer noch viel, aber angesichts großer Unzufriedenheit mit der Arbeit von Bundes- und Landesregierung profitiert DIE Protestpartei des letzten Jahrzehnts nicht wirklich.

Der - verzeihen Sie den Vergleich - Stellungskrieg zwischen denen, die gemäßigt sein wollen und den vom Verfassungsschutz beäugten Ultrarechten des ehemaligen, sogenannten Flügels steckt in den jeweiligen Schützengräben fest. Die AfD ist im Bund wie im Land erstarrt. Man kann zwar verlässlich mit Mandaten rechnen, mehr aber auch nicht.

Eine neue Gruppe schleicht auf die Listen

Und trotz der Ankündigung des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen, die Ultrarechten aus der AfD verdrängen zu wollen, herrscht auf den meisten Wahllisten ein gewisser Interessenausgleich. Man wechselt sich ab und arrangiert sich, so gut es geht.

In NRW gestaltet sich das aber nun anders. Da hat sich heimlich eine neue Gruppe um Landeschef Rüdiger Lucassen auf die Listen geschlichen. Und zu dieser Gruppe gehört Matthias Helferich, einer seiner Stellvertreter. Helferich, der sich in Chats als "das freundliche gesicht des ns" bezeichnete, fällt zwar dauernd mit rechten Provokationen auf, aber er war nie Teil einer AfD-Strömung.

Am politischen Chamäleon gescheitert?

Auf einem Chaos-Parteitag in Warburg brüllte er einst gemeinsam und lautstark mit den selbsternannten Gemäßigten "Haut ab", als Flügelleute nicht aus dem Landesvorstand gehen wollten. Um ein paar Parteitreffen später eine Erklärung zur Abstimmung vorzulegen, die auch gut aus der Feder eines Björn Höcke hätte stammen können. Sprich: Der Mann ist ein Chamäleon mit sicherem Listenplatz für die Bundestagswahl.

An dieser bisher wenig bedeutsamen Figur zerbricht gerade ein ganzer Bundesvorstand. Warum? Weil die, die ihn rauswerfen wollen (also das Lager um Jörg Meuthen), keine Mehrheit für einen Ausschluss haben, während die anderen grundsätzlich nur noch einen Inhalt kennen: Gegen Jörg Meuthen zu sein.

Taktisch ist inzwischen alles erlaubt

Will man das übersetzen besteht der AfD-Vorstand aus denen, die nicht mehr die Kraft für einen Rauswurf Helferichs haben und aus jenen, die aus taktischen Gründen notfalls mit einem "freundlichen gesicht des ns” in den Wahlkampf ziehen würden.

Bei der AfD geht es genau deshalb längst nicht mehr um Inhalte und Überzeugungen. Bei der AfD geht es um Grabenkämpfe und persönliche Interessen. Selbst kleine, interne Splittergruppen können die Partei lähmen. Für einen erfolgreichen Wahlkampf bleibt da nicht viel, nicht einmal für Protestwähler und -wählerinnen.

Die Causa Helferich

WDR 5 Westblick - aktuell 06.08.2021 04:50 Min. Verfügbar bis 06.08.2022 WDR 5


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Stand: 10.08.2021, 14:55

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