Kommentar: Das Frauenproblem der CDU

Annegret Kramp-Karrenbauer, Angela Merkel und Ursula von der Leyen.

Kommentar: Das Frauenproblem der CDU

Von Arne Hell

Kaum jemand in der CDU bestreitet, dass es zu wenige Frauen in der Partei gibt. Wer das ändern will, muss Frauen aktiv fördern. Und Männer öfter als bisher zum Verzicht zwingen.

In der CDU-Fraktion im Landtag in Düsseldorf sitzen im Moment 18 Frauen. 18 von 72 Abgeordneten. Das ist nur gut ein Viertel der Fraktion, noch weniger als der Durchschnitt im Parlament.

Der männliche Fraktionschef hat sechs Stellvertreter. Davon ist nur eine eine Frau. Und von den acht CDU-Parteibezirken in NRW wird nicht ein einziger von einer Frau angeführt.

Auch Männer in der CDU wünschen sich mehr Frauen

Ja, die CDU hat ein Frauenproblem. In der Partei selbst bestreiten das die meisten gar nicht. Und auch einige einflussreiche Männer würden es sich ausdrücklich anders wünschen. Schwierig wird es bei der Frage, wie das gelingen kann.

Ein Problem: Eher als in anderen Parteien wird man in der CDU etwas, wenn man vorher in der Jungen Union schon Verbindungen geknüpft hat. Und dort tummeln sich traditionell eher junge Männer, die sich selbst als Machertypen sehen.

"Frauen müssen mehr in Führung, auch in der CDU"

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.10.2021 08:20 Min. Verfügbar bis 13.10.2022 WDR 5


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CDU als Abbild eines Teils der Gesellschaft

Aber der Hauptgrund ist das sicher nicht. Das Bild der machohaften Männerbünde, die die Frauen an den Herd wünschen und sie am Aufstieg hindern, dieses Bild ist nämlich inzwischen ziemlich schief.

Vielmehr ist die CDU, was die Förderung von Frauen angeht, eher ein Abbild unserer Gesellschaft. Zumindest eines Teils unserer Gesellschaft, wie er etwa auch in der Wirtschaft oder im Vereinsleben prägend ist.

Frauen sollen sich auch verwirklichen - wenn sie es zusätzlich schaffen

In diesem Teil der Gesellschaft gibt es weiter die Erwartungshaltung, dass sich in erster Linie die Frau um die Familie zu kümmern hat. Wer das anzweifelt, der kann ja mal überlegen, wie viele Paare er oder sie kennt, bei denen die Frau Vollzeit arbeitet und der Mann in Teilzeit, um die Kinder Nachmittags zu versorgen.

In diesem Modell sollen Frauen sich natürlich auch verwirklichen können. Sie sollen auch Spitzenposten übernehmen, wenn sie es schaffen. Es gilt das Leistungsprinzip.

Kernwählerschaft der CDU findet sich in dem Modell wieder

Nur: Manche Dinge sind einfach kaum zu schaffen, wenn einem niemand den Rücken freihält. Wenn man nicht bereit ist, 70-80-Stunden Wochen für normal zu halten. Und so fährt der Zug für die große Karriere ab, ob in der Wirtschaft oder in der Partei.

Die Kernwählerschaft der CDU findet das wahrscheinlich auch gar nicht so schlimm. Im Zweifel entspricht es genau ihrem Lebensmodell. Doch mehr und mehr Frauen sind nicht länger bereit, diese Realität hinzunehmen.

Posten aktiv an Frauen vergeben

Sie möchten sie aktiv verändern, durch neue Lösungen oder Abmachungen. Und sie engagieren sich vor allem da, wo sie dafür gute Chancen sehen. Das ist bisher eben nicht in der CDU.

Schon heute schlägt sich das auch in den Wahlergebnissen nieder. Um das zu ändern, müsste die Partei bereit sein, deutlich mehr auf Frauen zuzugehen, mehr einflussreiche Posten gezielt an Frauen zu vergeben. Und damit mehr Männer als bisher auch mal zum Verzicht zu zwingen.

Stand: 13.10.2021, 15:54

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