Kommentar: Unsinnige Corona-Eile im Sinne des Fußballs

Stand: 30.09.2021, 15:52 Uhr

NRW hat eine neue Corona-Schutzverordnung: Volle Stadien, Clubs und Restaurants sind garantiert, ganz ohne Maske. Während an den Schulen Maske, Lüften und Pflichttests der Maßstab bleiben. Meint unser Kommentator.

Von Christoph Ullrich

Natürlich freut mich, dass die Stadien - zumindest auf den Sitzplätzen - wieder voll sind. Ich habe eine Dauerkarte bei einem Fußball-Bundesligaverein und war bei den bisherigen - noch eingeschränkten - Spielen der Saison. Ich fand es wohltuend, wieder dieses Stück vor-pandemischer Freizeitgestaltung zu haben. Jetzt also in fast vollständiger Auslastung.

Schlag für die Hallensportarten

Aber nur beim Fußball: Hallensportarten wie Basketball oder Handball bleiben erst einmal außen vor, und dürfen weiterhin nur die Hälfte der Leute reinlassen. Zurück bleiben somit genau die, bei denen es tatsächlich auf jedes verkaufte Ticket ankommt, weil das Fernsehgeld nicht in Fußballdimensionen fließt.

Aber nicht nur deshalb bleibt ein fader Beigeschmack: Während ich bald maskenlos mit über 40.000 Menschen Fußball schaue, mit Freunden im Restaurant über Stunden sitze - auf engstem Raum, ohne Mund-Nasenschutz - und in Clubs jetzt bald sogar mit weniger präzisen Antigenschnelltests trinken und tanzen kann, sitzen die Schülerinnen und Schüler des Landes mit Maske und Testpflicht im Unterricht.

Was in Restaurants und Eishallen geht, geht nicht an Schulen

Auf die Frage, warum die Maskenpflicht an den Schulen, zumindest am Platz, nicht aufgehoben wird - wie in jedem voller besetzten Eishockeystadion seit Wochen üblich - kommt eine lapidare Antwort: Übernächste Woche seien eh Herbstferien. Da brauche man keine schnelle Lösung und warte lieber noch etwas ab, heißt es sinngemäß aus dem Schulministerium.

Keine Eile also, die man aber bei der aktuellen Lage für Großveranstaltungen, Restaurants und Clubs auch nicht gebraucht hätte. Nur zur Erinnerung: Es gab für heute keinen Handlungsdruck: Die alte Corona-Schutzverordnung wäre noch eine Woche gelaufen.

Seltsame und unnötige Eile

Diese Eile hat Folgen. Die Corona-Maßnahmen sollen ja eigentlich nicht spalten, sollen Gruppen und Interessen nicht gegeneinander ausspielen. Und so sinnvoll es vielleicht ist, jetzt an den genannten Stellen zu lockern, so unsinnig ist es, es nicht an den Schulen zu tun und hier auf Zeit zu spielen. Man hat - nicht zum ersten Mal - eine politische Kommunikation offenbart, die das Potenzial zur gesellschaftlichen Polarisierung hat.

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