Kommentar: Wenn der Konzertveranstalter der bessere Politiker ist

Das Stadion von Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf.

Kommentar: Wenn der Konzertveranstalter der bessere Politiker ist

Von Christoph Ullrich

Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat in Düsseldorf ein Konzert mit 13.000 Zuschauern genehmigt bekommen. Die große Politik schäumt und reagiert entlarvend.

Das Konzert ist ein politischer Sieg eines Konzertveranstalters über die große Politik. Marek Lieberberg heißt der Mann, einer der besten seiner Zunft, und von der Corona-Pandemie als Unternehmer ist er natürlich schwer getroffen.

Er hatte die Idee und die Kontakte in einem Stadion mit der Kapazität von über 50.000 ein großes Konzert über die Bühne zu bringen. 13.000 sollten reindürfen. Die üblichen Corona-Hygieneregeln stehen laut Planung über allem.

Brian Adams, Sarah Connor und The BossHoss gibt es deshalb nur mit Abstand, Mundschutz, sperrigem Ein- und Auslass sowie ohne Alkohol. Keine angenehmen Bedingungen für das Publikum, aber es wäre ein Anfang und das Lebenszeichen der von der Pandemie am stärksten gebeutelten Branche.

Regeln, die beachtet wurden

Die zuständigen Ämter der Stadt Düsseldorf haben das Konzept genehmigt. Das lag nicht daran, dass man im Rathaus die Idee mit dem Konzert gut fand und sicher froh ist, dass mal wieder Leben und Geld in die städtische Arena kommt. Nein, es wurde genehmigt, weil das Konzert schlicht die geltenden Regel beachtet hat.

Die stehen in der Coronaschutzverordnung des Landes. Und ein kleiner Blick in diese hätte gereicht, um zu sehen, dass alles passt. Es handelt sich nicht um ein Festival (verboten), sondern um ein Konzert. Die kennen keine Obergrenzen für Zuschauer, nur tragfähige Hygienekonzepte.

Erstaunlich also, dass NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) unmittelbar nach Bekanntgabe des Konzerts die rechtliche Grundlage anzweifelt. Dabei stammt sie doch aus seinem Haus, er müsste sie also kennen und sich vor so einem schnell daher gesagtem Satz hüten.

Laumann, Söder und Laschet gehen in die Falle

Das Gleiche gilt für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der sich erwartbar defensiv zu dem Konzert äußert, selbstredend jenseits seiner politsichen Kompetenzen. Er erbittet eine Absage und erzählt dann noch was von Alkohol und den daraus entstehenden Problemem. Dabei gibt es bei der Veranstaltung keine alkoholischen Getränke.

Und dann kommt da noch Armin Laschet, der tatsächlich zuständige Ministerpräsident (CDU), und wirft dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) vor, er wolle sich mit der Veranstaltung für den Kommunalwahlkampf profilieren. Natürlich gegen den CDU-Kandidaten.

Eine fast schon atemberaubende Aneinanderreihung politischer Fehler. Es stimmt schon, was der Konzertveranstalter Lieberberg nach diesen Äußerungen kritisiert. Der dpa sagte er, mit ihm wolle man nicht reden, aber man habe offenbar Zeit sich über ein Konzept zu äußern, dessen Regularien man nicht kenne.

Politik verspielt massiv an Vertrauen

Eine Ohrfeige für die Politik, aber auch für all jene in der Veranstaltungsbranche, die anhand der bestehenden Verordnungen versuchen, ihr Überleben zu sichern.

Immerhin hat die Landesregierung es bisher nicht versucht, das Konzert per Verordnung zu verbieten. Diesen juristischen Winkelzug jenseits demokratischer Spielregeln hat man sich (noch) gespart. Jetzt sitzt man in Düsseldorf zusammen und macht das, was schon lange vorher hätte tun sollen: Reden und einen Kompromiss finden.

Und vielleicht wird die große Politik ja dann doch wieder Partner für eine riesige Branche, die schon lange - nicht zu Unrecht - darüber klagt, dass sie sich von der großen Politik alleine gelassen fühlt.

Schaut auf diese Stadt - Großveranstaltungen in Zeiten von Corona

WDR RheinBlick 14.08.2020 28:10 Min. Verfügbar bis 14.08.2021 WDR Online


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Stand: 12.08.2020, 09:17