Wie die Industrie in NRW das Klima weniger belasten will

Funkenflug in einem Stahlwerk

Wie die Industrie in NRW das Klima weniger belasten will

Von Christian Wolf

NRW will dafür sorgen, dass die Industrie im Land klimafreundlicher wird. So sollen in den Fabriken weniger fossile Kohlenstoffquellen wie Kohle und Gas eingesetzt werden.

Das Ziel ist klar: Nordrhein-Westfalen soll klimaneutral werden. Das heißt, nur noch so viel Treibhausgas wird ausgestoßen, wie von der Natur wieder aufgenommen werden kann. Doch wie soll das funktionieren in einem Land mit Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie?

Andreas Pinkwart, 07.07.2021

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat am Dienstag eine Strategie zum Umbau der Industrie vorgelegt. Die sieht vor, in den Bereichen, wo es geht, auf kohlenstofffreie Technologien zu setzen. Bedeutet: Statt Kohle oder Erdgas wird Wasserstoff oder Strom aus Erneuerbaren Energien genutzt. "Zunächst gilt der Grundsatz: Wo immer wir Kohlenstoff in der Produktion überflüssig machen können, machen wir ihn überflüssig", so Pinkwart.

Die Shell-Raffinerie in Köln-Wesseling will zum Beispiel langfristig komplett auf Rohöl verzichten und stattdessen Biomasse und altes Pflanzöl einsetzen. Auch bei der Herstellung von Aluminium oder Stahl könne der Wechsel gelingen, sagte der Minister.

Klimaschädliche Stoffe recyceln

Doch trotz Klimaneutralität können nicht immer und überall auf Kohlenstoff verzichtet werden. In diesen Bereichen soll es ein Recycling geben. "Ziel ist es den Kohlenstoff so oft wie möglich im Kreislauf zu nutzen."

Heutzutage ist es zum Beispiel noch so, dass die Chemieindustrie bei der Herstellung von Plastik Kohlenstoff nutzt, der aus Erdöl stammt. Doch darauf soll bekanntlich verzichtet werden. Der Kohlenstoff kann stattdessen als eine Art Abfallprodukt aus der Zementindustrie kommen, die nicht ganz darauf wird verzichten können.

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"Diesen Kreislauf wollen wir in Nordrhein-Westfalen in Gang setzen", sagte Pinkwart am Dienstag. Dazu müsse zum Teil noch geforscht werden, aber auch eine Infrastruktur sei nötig, um den Kohlenstoff aus der Zement- zur Chemieindustrie zu bringen. Zudem werde ein öffentlich zugängliches "Carbon Monitoring" aufgebaut, wodurch erfasst werde, wo es solche Synergiepotenziale zwischen den Branchen gibt.

"Sehr grundlegender Umbau"

Pinkwart räumte ein: "Alle Industrien hier in Nordrhein-Westfalen stehen vor einem sehr grundlegenden Umbau." Davon seien Hunderttausende Arbeitsplätze berührt. "Die Frage wird jetzt nur sein, schaffen wir es, durch rechtzeitiges und konsequentes Herangehen, dass die Industrien sich umstellen können in Richtung Klimaneutralität?"

Dazu braucht NRW laut Pinkwart auch Unterstützung aus Berlin. Konkret: "Von der Bundesregierung fordern wir den Abbau von rechtlichen und regulatorischen Hürden, die dem Aufbau der Kohlenstoffwirtschaft entgegenstehen." So müssten der Transport und die Speicherung von CO2-Restmengen ermöglicht werden.

Stand: 19.10.2021, 13:55