Nach dem Kohleausstieg: Was passiert mit den Kraftwerks-Standorten?

Dampf steigt aus dem Kühlturm eines Steinkohlekraftwerks.

Nach dem Kohleausstieg: Was passiert mit den Kraftwerks-Standorten?

  • Das Ruhrgebiet hofft auf Fördergelder für den Kohleausstieg
  • Herne plant bereits einen Technologie-Park mit 1.500 Arbeitsplätzen
  • Strittiger Punkt: Wer zahlt den Rückbau der Steinkohlekraftwerke?

Wie sieht nach dem Kohle-Ausstieg die Zukunft im Ruhrgebiet aus? Die Stadt Herne hat da klare Vorstellungen und plant auf der ehemaligen Bergwerksfläche Blumenthal die "International Technology World Herne", kurz "ITW Herne".

Auf einer Fläche so groß wie 40 Fußballfelder soll sich ein Branchenmix aus Forschung, Entwicklung und Produktion ansiedeln mit 1.500 Arbeitsplätzen. Eine Seilbahn soll diese Arbeitsplätze an die Stadt und den Bahnhof anbinden.

Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD) ist überzeugt, "dass wir dort modernste Mobilität mit grüner Infrastruktur, sehr auf die Zukunft ausgerichteter Produktion, sowie Bürogebäude, aber auch Handwerk realisieren können."

Wer soll das bezahlen?

Das Investitionsvolumen wird mit rund einer halben Milliarde Euro veranschlagt. Für die Entwicklung freiwerdender Flächen im Zuge des Kohleausstiegs hat die Bundesregierung 662 Millionen Euro Fördermittel allein fürs Ruhrgebiet versprochen. Ob und wenn ja wie viel davon nach Herne fließt, ist zurzeit offen.

Frank Dudda (SPD), OB in Herne, im Gespräch mit Westpol

Frank Dudda

Oberbürgermeister Dudda hofft mindestens auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der sei "als Anschubfinanzierung nötig". Wenn die erst mal stehe, dann hätten Investoren die Gewissheit "das könnte was werden, was man zunächst einer Stadt wie Herne nicht zutrauen würde." Selbst finanzieren kann die hoch verschuldete Stadt es nicht. Als Stärkungspakt-Kommune fehlen Herne die Spielräume.

Der Rückbau der Kohlemeiler

Ein zentraler Streitpunkt in der Herner Kohleausstiegs-Debatte ist die Frage: Wer baut das bereits vor Jahren stillgelegte Steinkohle-Kraftwerk Shamrock zurück? Der damalige Betreiber Uniper? Die Gesetzeslage ist klar, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP): "Im Moment, rein rechtlich gesehen ist es so, dass die Anlagen auch einfach stehengelassen bleiben könnten." Die Stadt Herne schätzt, dass der Rückbau rund 15 Millionen Euro kosten wird.

OB: Der Konzern muss es schultern

OB Dudda ist "sehr verärgert", es könne nicht sein, dass er Fördergelder bekomme, um damit den Abriss des Kraftwerks zu finanzieren. "Das müsste der Konzern selbst schultern." Er hofft auf eine Einigung mit dem Betreiber Uniper. "Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu machen, um die Entwicklung dann auch voran zu treiben."

Pinkwart setzt auf den Bund

Wirtschaftsminister Pinkwart setzt auf ausreichende Entschädigungen der Bundesregierung für die Betreiber der Kohlekraftwerke. Damit diese "dann auch die Bereitschaft aufbringen können, die Anlagen zurückzubauen, soweit das notwendig ist."

Im Westen geht die Kohle unter

WDR RheinBlick 17.01.2020 24:21 Min. Verfügbar bis 16.01.2021 WDR Online

Download

Deutscher Bundestag: Kohleausstieg phoenix vor ort 06.03.2020 01:24:29 Std. Verfügbar bis 06.03.2025 Phoenix

Stand: 08.03.2020, 14:00