Wettwünschen um den Hambacher Forst

Aktivisten haben im Hambacher Forst Baumhäuser gebaut

Wettwünschen um den Hambacher Forst

Von Sabine Tenta

  • RWE-Chef will Erhalt des Waldes prüfen lassen
  • Bürgerinitiative fordert, keine Fakten zu schaffen
  • Ministerpräsident Laschet sagt, der Bund sei zuständig

"Wünschenswert" - das ist die am häufigsten zitierte und interpretierte Vokabel, wenn es um die Zukunft des Hambacher Forstes geht. Denn im Abschlussbericht der Kohle-Kommission steht: "Die Kommission hält es für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt." Klingt sehr nach Erhalt. Aber entschieden ist noch lange nichts.

RWE-Chef wartet Gespräche ab

Am Montag (28.01.2019) konnte sich RWE-Chef Rolf Martin Schmitz noch nicht zu einer eindeutigen Aussage durchringen. Der "Rheinischen Post" sagte er immerhin: "Wir werden prüfen, was sinnvoll machbar ist unter Berücksichtigung der Erfordernisse der weiteren Nutzung des Tagebaus und der Rekultivierung." Er gehe davon aus, "dass man das Gespräch dazu mit uns suchen wird."

Antje Grothus rät zu Wachsamkeit

Kommissionsmitglied Antje Grothus, die die Interessen der Tagebau-Anwohner vertritt, nannte die Aussagen von Schmitz "ein gutes und sehr wichtiges Signal."

Im WDR mahnte Grothus aber auch: "Es dürfen keine weiteren Fakten geschaffen werden." Wenn der Wald erhalten bleibe, gebe es auch keinen Grund, Häuser in den dahinter liegenden Dörfern abzureißen.

Die Menschen müssten noch im Wald bleiben, "allein aus dem Grund, weil man RWE nicht vertrauen kann", so Grothus. Es gebe Ankündigungen in den sozialen Netzwerken von sogenannten RWE-Aktivisten, dass sie mit Kettensägen in den Wald gehen und ihn platt machen wollten. "Der Wald ist hart umkämpft, da muss man drauf achten, dass er geschützt wird - weiterhin."

Antje Grothus

Antje Grothus

Später sagte Grothus, sie könne sich einen Art "Waldrat" zum Schutz des Forstes vorstellen mit "Menschen aus allen möglichen Gruppen", die "einen Blick auf den Wald haben."

Hambacher Forst: "Keine weiteren Fakten schaffen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.01.2019 05:42 Min. Verfügbar bis 28.01.2020 WDR 5

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Armin Laschet: Forst hat geringere Bedeutung

Armin Laschet spricht bei einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Kohlekommission

Armin Laschet

Am Samstag hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärt: "Das schwierigste Thema für Nordrhein-Westfalen ist nicht Hambach. Wir versuchen hier eine Energiewende der nächsten 20 Jahre zu steuern, Tausende Arbeitsplätze zu verlieren, Kraftwerke frühzeitiger aus dem Markt zu nehmen."

Das ist alles sei "ein hundertfach so großes Problem wie die 200 verbliebenen Reststücke von einem 4.100 Hektar großen Wald, die es da früher einmal gab. Es hat eine große symbolische Wirkung, aber es hat für das Projekt, das wir uns vornehmen, eine eher geringere Bedeutung."

Verhandeln müsse der Bund

Und Laschet klärte die Zuständigkeiten für die Zukunft des symbolträchtigsten Waldstücks in NRW: "Wenn da irgendwas verhandelt wird, muss das der Bund verhandeln und nicht das Land." Er könne nur betonen, dass "eine Befriedung wünschenswert ist."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags haben wir Antje Grothus mit den Worten zitiert, die Aktivisten müssten noch im Wald bleiben. Frau Gothus legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht von Aktivisten gesprochen hat, sondern von Menschen, die im Hambacher Wald bleiben müssen. Wir bitten, diese Unschärfe zu entschuldigen.

Stand: 28.01.2019, 15:34